Wer erst zum letzten Akt des Stücks eilend das Theater betritt, wird kaum mehr enträtseln können, was bisher geschah. Ähnlich geht es nun vielen, die noch immer mit Augenreiben beschäftigt sind, weil zuletzt der Horrorclown Trump auf der Bühne steht, und immer noch versteht man nicht, wie er dorthin gelangt ist, und der Vorhang fällt einfach nicht. Was bisher geschah: Diese Vorgeschichte des Wahlsiegs von Donald Trump erzählt jetzt ein Buch, das über 30 Jahre hinweg entstand, weil der investigative New York Times-Reporter und Pulitzerpreisträger David Cay Johnston seit den achtziger Jahren alles recherchierbare Material zu Trump in eine Akte gelegt und daraus dann in diesem Sommer ein Buch geformt hat: Die Akte Trump. Es erzählt, reich dokumentiert, die Geschichte eines vom Geld besessenen und von Rachewünschen angetriebenen Betrügers, der die Gewaltenteilung missachtet und gern mit Kriminellen Geschäfte macht. Es erzählt auch, dass dieser Trump keineswegs als übles Überraschungsei aus einem missgelaunten Himmel fiel, sondern seit Jahrzehnten offen damit liebäugelte, Präsident zu werden. Nur Johnston will es bemerkt haben, und in diesem Einzigartigkeitswettbewerb liegt der Reiz des Buchs: Autor Johnston tritt mit einem Riesen-Ego gegen Trump an, als einer, der weiß, dass er dem anderen ähnlich ist, unfähig, einen Chef über sich zu ertragen, nur dem eigenen Willen folgend, Mann gegen Mann. Der Journalismus der Fakten und der Vernunft soll in diesem Kampf siegen. Er siegt nicht. Der letzte Satz des Buchs, am 4. Juli geschrieben, lautet: "Tun Sie, was Ihre Pflicht als Staatsbürger ist. Gehen Sie zur Wahl."

David Kay Johnston: Die Akte Trump. a. d. Engl v. R. Berger, R. Poth, A. Pumpernig; Ecowin Verlag, Salzburg 2016; 347 S., 24,– €