Manche Satiren schreiben sich von selber, aber was ist, wenn das Gelächter die Realität übertönt? Seit der Wahl des Donald Trump tobt ein Sturm von Hohn & Empörung durch die Gazetten. Doch wenn der Schock nachlässt, müssten sich zumal die Deutschen auf den Neuen freuen: Er liegt in drei Punkten voll auf unserer Linie.

Freihandel und TTIP: Gerade hat Trump die pazifische Freihandelszone TPP ("ein Desaster für unser Land") begraben. Da ist TTIP, die atlantische Version, der logische nächste Kandidat für das Fallbeil. Jobs und Investitionen bleiben zu Hause, kein Rohmilchkäse wird den amerikanischen Gourmand vergiften. Die hiesigen TTIP-Feinde, die zu Hunderttausenden durch die Städte gezogen sind, um das "Chlorhühnchen" zu stoppen, müssten das Weiße Haus in diesem Fall mit Dankes-Mails überfluten: keine Schiedsgerichte mehr, kein Diktat der US-Konzerne.

Freund Putin: Gegen die erblühende Männerfreundschaft mit Putin wirkt die Schröder-Variante wie eine Zufallsbekanntschaft. Schon 2013 twitterte Trump: "Wird Putin mein neuer bester Freund?" 2015: "Ich werde mich sehr gut mit ihm vertragen." Er will Entspannung im Ukraine-Konflikt – keine Waffen für Kiew. Er will den Krim-Raub ignorieren, die Sanktionen aufheben. "Es wäre doch wunderbar, wenn wir uns mit Russland und China zusammentäten, um gemeinsam auf den IS einzudreschen."

Auch hier müsste Dank über den Atlantik fließen. Kein "Säbelrasseln" und "Kriegsgeheul" (Steinmeier) mehr. Bis auf die Balten und Polen, die ewigen Opfer des russischen Expansionismus, würden die Europäer die Sanktionen lieber heute als morgen kippen. Mit Trumps Segen könnten sie den russischen Bären wieder besänftigen, statt ihn zu reizen. Hatte nicht die Nato angefangen, als sie es den Osteuropäern erlaubte, unter ihren Schutzschirm zu schlüpfen?

Festung Amerika: Trump ist in Wahrheit noch besser als Obama, der "Selbsteindämmung" betrieb und Truppen aus Nahost und Europa abzog. Trump will dem US-Weltsheriff den Stern nehmen, keine Kriege im Namen von Regime-Change und Nation-Building mehr führen. Derlei "Arroganz" habe nur "außenpolitische Desaster" gezeugt; "Menschenrechtspolitik" gibt es in Trumps Vokabular nicht. Mit seiner Devise "America first!" ist er der perfekte Anti-Bush. Auch dafür verdient er Lob, hatte doch George W. den Irakkrieg angezettelt und so die Europäer in ohnmächtige Rage versetzt; man denke an die Millionenmärsche von 2003. Trump versichert: "Wir werden nie wieder dem Sirenengesang des Globalismus verfallen." Folglich darf Europa frohgemut in eine Zukunft blicken, wo Trump Selbstbescheidung verheißt.

"Es ist schwer, keine Satire zu schreiben", lästerte der römische Dichter Juvenal, der Stand-up-Comedian seiner Zeit. Doch sind diese Trump-Zitate nicht erfunden. Warum sind dann die Europäer so sauer? Die haben immer Angst vor dem großen Bruder. Mal ist er zu stark, mal zu schwach; mal zu imperial, mal zu isolationistisch. Amerika soll Russland nicht provozieren, aber auch keinen Deal auf Kosten Europas aushandeln. Und die Alte Welt nicht ewig an ihre Abhängigkeit erinnern.

Das letzte Wort soll Obama haben: Trump wird es "schnell merken, wenn seine Neigungen auf die Realität stoßen. Die findet immer einen Weg, um sich zu behaupten".