45 Millionen verkaufte Tonträger, Live-Lesungen vor Zehntausenden Fans: Seit fast 40 Jahren spricht der Hamburger Jens Wawrczeck, 53, den Jugend-Detektiv Peter Shaw aus der Kultserie "Die drei ???". Außerdem ist er Schauspieler, Synchronsprecher, Sänger, Hörbuchregisseur. Nur fragt da keiner nach.

DIE ZEIT: Herr Wawrczeck, Ihre Managerin bat uns, möglichst wenig über Die drei ??? zu sprechen.

Jens Wawrczeck: Ich hoffe, wir können das schnell abhaken.

ZEIT: Warum?

Wawrczeck: Es ist ermüdend.

ZEIT: Es ist die Rolle, mit der Sie am meisten Erfolg haben.

Wawrczeck: Klar. Aber ich komme gerade vom Ernst Deutsch Theater, ich spiele Lady Bracknell in Oscar Wildes Bunbury. Ich habe mein eigenes Audiolabel. Ich produziere gerade mein erstes Gesangsalbum. Diese Sachen nehmen viel mehr meiner Zeit in Anspruch und vor allem mein Herz.

ZEIT: Und Die drei ??? nicht?

Wawrczeck: Wir nehmen das viermal im Jahr auf, an jeweils zwei Tagen. Ich will es auch nicht kleinmachen. Aber es wäre befremdlich, wenn ich mit 53 Jahren Die drei ??? als meine größte Leistung bezeichnen würde.

ZEIT: Was ist Ihre größte Leistung?

Wawrczeck: Seit acht Jahren setze ich einen großen Teil meines Geldes dafür ein, Literatur zu Hörbüchern zu machen, die keiner mehr im Bücherregal stehen hat. Ich habe Preise bekommen für Theaterrollen – die interessieren keinen, weil die Außenwirkung nicht so groß ist.

ZEIT: Lesungen der Drei ??? füllen inzwischen Hallen mit mehr als 20 000 Menschen.

Wawrczeck: Ich schmunzle immer, wenn Leute sagen: "Die kenne ich gar nicht." Ich habe auch nie Serien gehört. Ich persönlich kenne Die drei ??? vermutlich nur, weil ich die Rolle spreche, seit ich 13 bin. Für mich war das schon damals eine schauspielerische Aufgabe. Es irritiert mich, wenn manche nicht mich, den Schauspieler, und die Rolle Peter Shaw unterscheiden.

ZEIT: Nach 40 gemeinsamen Jahren – steckt denn gar nichts von Ihnen in Peter?

Wawrczeck: Oh doch, sehr viel. Peter in den Hörspielen hat schon etwas mit mir zu tun, weil ich als Kind so ungefiltert meine Emotionen in diese Rolle gepackt habe.

ZEIT: Und heute?

Wawrczeck: Heute ist es, als zöge ich eine Schublade meines Wesens auf. Das hat aber auch mit der Dynamik zwischen uns drei Sprechern zu tun. Wir kennen uns seit 40 Jahren – das ist, als säße man mit Brüdern am Tisch, und Regisseurin Heikedine Körting ist dann wie unsere Mutter. Innerhalb einer Familie ist es manchmal schwer, sein Rollenmuster zu verlassen – genauso wie bei den Drei ???.

ZEIT: Sie meinen, 40 Jahre lang einen Teenager zu sprechen?

Wawrczeck: Über das Alter habe ich mir nie Gedanken gemacht, sie können 80 sein oder acht, die Energie zwischen den dreien funktioniert. Privat sehen wir uns meist nur zu den Aufnahmen, dann gehen wir immer Steak essen. Wenn wir zusammen auf Tournee sind, respektieren wir unsere jeweilige Privatsphäre.