Vor knapp zehn Jahren gründete der Kirchenkreis EvaBau und EvaImmo als öffentliche Einrichtungen, geführt wie Firmen. Das Konzept ist komplex, die Logik dahinter einfach: Will eine Gemeinde mit ihren Grundstücken Geld verdienen, wendet sie sich an den Kirchenkreis. Der beauftragt EvaBau damit, herauszufinden, was möglich ist. Grundbücher werden gesichtet, Bauverordnungen geprüft. Eignet sich die Fläche etwa für ein Seniorenheim, arbeitet EvaImmo ein Konzept für die Synode aus. Bewilligt die Synode den Plan, nimmt der Kirchenkreis im Auftrag von EvaImmo einen Kredit auf. Mithilfe des Kredits bezahlt EvaImmo dann EvaBau – und EvaBau baut die Immobilie.

Ein Konstrukt, das von einer alten Regelung ermöglicht wird: Kirchengemeinden sind Körperschaften öffentlichen Rechts. Sie gehören nicht dem Kreis, sondern sind eigenständig und können deshalb ein kaum bekanntes Gesetz aus der Weimarer Zeit nutzen: das Erbpachtrecht. Demnach dürfen sie ihren Grund für eine Laufzeit von 99 Jahren verpachten, der Pächter darf dafür auf diesem Grundstück Eigentum errichten.

Der jährliche Erbpachtzins liegt bei drei bis vier Prozent des Grundstückspreises, er geht an die Gemeinden, die damit Reparaturen finanzieren können. Der Kreis kalkuliert so, dass Tilgung und Erbzins gezahlt werden können. "Unser Ziel ist, dass die Gemeinden auch langfristig Erträge generieren können", sagt Melzer, "das ist besser, als die Flächen einmalig abzustoßen." Um Gewinnmaximierung geht es dabei nicht. Gebaut wird für Alte, Behinderte, Kranke, Arme. Stattlich sind die Einnahmen trotzdem. Die Gemeinde Garstedt etwa kann jährlich 70.000 Euro zur Seite legen. Denn je höher der Grundstückspreis, desto höher der Ertrag. "Das geht in einer Boomstadt wie Hamburg ideal", sagt Melzer.

Der Kreis investiert in die Zukunft der Gemeinden – und nimmt dafür das Risiko in Kauf. Er leiht sich für jedes Projekt Geld von der Bank. Aktuell beliefen sich die Schulden im hohen zweistelligen Millionenbereich, sagt Melzer. Er bekommt viel Lob für seinen Einsatz, trägt aber auch das Risiko.

Wäre das nicht eine Idee auch für den Kirchenkreis Ost?

Man habe das Konzept prüfen lassen, heißt es dazu knapp von den Verantwortlichen. Es eigne sich nicht, weil die Kreise Ost und West nicht vergleichbar seien.

Der Kreis Ost muss tatsächlich mit anderen Rahmenbedingungen zurechtkommen. Zum einen ist er sehr viel größer als der Kreis West. Je mehr Gemeinden zu einem Kreis gehören, desto mehr Mitspracheberechtigte müssen überzeugt werden. Zum anderen muss Ost die Hauptkirchen in der Innenstadt wie den Michel und St. Petri verwalten. Niemand würde St. Petri aufgeben, selbst wenn zwischen Speicherstadt und Mönckebergstraße kaum mehr ein Gemeindemitglied wohnt.

Aber spricht das schon gegen das Konzept aus West? Nachfragen, ob EvaBau und EvaImmo nicht doch eine Option seien, beantworten sie im Kreis Ost nur abstrakt. "Im Hamburger Westen wird versucht, die vorhandenen kirchlichen Standorte, die insgesamt in anscheinend richtiger Zahl vorhanden sind, mit der Hilfe von klugen Nachnutzungen gemeindlich zu erhalten", lautet die umständliche Erklärung des Pressesprechers. Das klingt anerkennend und zugleich auch ziemlich resigniert.

Wie viele Grundstücke verpachtet werden könnten und welche Gemeinden an einer Investition Interesse hätten? Der Kreis Ost hat das offenbar nicht ermittelt. Listen gebe es nicht, sagt ein Synodaler. Auch er hält das Vorgehen im Kreis West nicht für passend für den Osten, kann aber nicht klar sagen, warum. "Uns geht es halt darum, wie viele Kirchen wir noch brauchen, und nicht ums Geldverdienen", sagt er.

Oder anders gesagt: Während die einen in jeden Quadratmeter Kirchenland investieren, streichen die anderen ganze Standorte. Während die einen alles auf Gewinn setzen, geben die anderen Gebäude von vornherein auf.

Im Kreis West verstehen sie die Skepsis. "Manche finden uns skurril, weil wir Kredite aufnehmen", sagt Propst Melzer. Doch dann erzählt er von den vielen Anfragen, die ihn in den vergangenen Monaten erreicht hätten. "Wir hatten bereits Delegationen aus Berlin und München hier."

Es ist kein Zufall, dass viele Gemeinden und Kirchenkreise aus den großen Städten des Landes gerade jetzt über Investitionen nachdenken. Die Zinsen fallen, die Grundstückspreise steigen, besonders zentrale Lagen sind begehrt wie nie. Das gilt für Berlin, das gilt für München – und es gilt auch für den Kirchenkreis Hamburg-Ost.