Inzwischen mieten sich Stars wie Sportfreunde Stiller, Bela B. und Lena Meyer-Landrut bei Johann Scheerer ein – vielleicht auch deshalb, weil es sich im Clouds-Hill-Studio so anfühlt, als hätte es nie eine Krise der Musikindustrie gegeben. Als wären die siebziger Jahre zurück, in denen Bands monatelang in riesigen Studios rumlungern konnten, weil Geld keine Rolle spielte.

"Ich bin früher ab und zu nach dem Kindergarten mit in das Büro meines Vaters gegangen", sagt Scheerer. "Dort gab es so einen grünen, schönen Teppich, und das hat sich immer so gediegen angefühlt. Dieses Gefühl wollte ich den Gästen in meinem Studio geben: keinen Druck, ein bisschen wie das eigene Wohnzimmer."

Der Vater, der Teppich, das eigene Wohnzimmer: Johann Scheerer erzählt davon sehr beiläufig, tatsächlich ist seine Herkunft alles andere als alltäglich. Denn sein Vater ist nicht irgendein Vater. Er ist Jan Philipp Reemtsma, Unternehmenserbe und Stifter des Hamburger Instituts für Sozialforschung, er soll einer der reichsten Männer Deutschlands sein.

"Das ist ein sensibles Thema, weil der Name Reemtsma auch für meine Kinder ein Sicherheitsrisiko sein kann", sagt Scheerer. Sein Vater wurde 1996 entführt. Auch deshalb ist Scheerer froh, dass seine Eltern ihm den Nachnamen seiner Mutter Ann Kathrin Scheerer gegeben haben. Der nimmt ihm ein wenig die Last der berühmten Familie.

Aber natürlich spricht sich diese Geschichte rum. Viele aus der Szene wissen, dass es da noch einen Reemtsma mit kulturellen Ambitionen gibt. "Ich werde alle 14 Tage gefragt, ob ich mal jemandem ’ne halbe Million schenken kann", sagt Scheerer. Viele Freundschaften seien daran zerbrochen. "Wenn Geld im Spiel ist, entsteht sofort eine Hierarchie. Dann bin ich entweder der gönnerhafte Typ oder das reiche Arschloch. Bei Geld hört die Freundschaft auf. Es war ein sehr schmerzhafter Prozess gewesen, das zu realisieren."

Ist das Clouds-Hill-Studio also nur das teure Spielzeug eines rich kid? Johann Scheerer legt Wert auf die Feststellung, dass sein Studio wirtschaftlich tragfähig ist. "Sonst hätte ich ja gleich eine Stiftung zum Wohle der analogen Aufnahmetechnik machen können", sagt er. Und das Vertrauen eines Pete Doherty, das könne man sich eh nicht kaufen, das müsse man sich erarbeiten.

Vielleicht hat es ihm da geholfen, dass er – siehe Geld und Freundschaft – sich angewöhnt hat, klare Grenzen zu setzen. Bei Doherty lauteten die Regeln: Leihe nie einem Junkie Geld! Fahre nie einen Junkie zum Dealer! Und: Drogenverbot im Studio. "Ich habe ihm gesagt: Eine Zigarre pro Tag im Studio, sonst kann ich hier nicht arbeiten." Doherty hielt sich daran, selbst wenn er, völlig desolat, mit nur einem Schuh an den Füßen, im Studio auftauchte, weil er den anderen einem Dealer am Hauptbahnhof im Streit hinterhergeworfen hatte.

Sein Manager wollte kein Hamburg-Album. Also feuerte Doherty seinen Manager

Zwischenzeitlich sah es so aus, als wäre es vorbei mit Pete Doherty und Hamburg. Ende 2014 hatte ihn sein Management in eine Entzugsklinik nach Thailand gebracht und einen lukrativen Deal ausgehandelt: The Libertines, die Band, die ihn berühmt gemacht hatte, sollten sich für ein Album und eine Festivaltour wiedervereinigen. Die neue Plattenfirma ließ einen Boygroup-Produzenten nach Thailand fliegen, um ein möglichst chart-taugliches Album aufzunehmen. "Mir wurde gesagt: Du musst dich hinten anstellen, das Soloalbum will im Moment keiner", erinnert sich Scheerer. "Das Management hat mir sogar verboten, mit Peter zu sprechen."