Als pünktlich zum Filmstart von Der Baader Meinhof Komplex vor einigen Jahren rote und blaue Farbkleckse am Wohnhaus des Journalisten Stefan Aust in Blankenese auftauchten, war die Sache bald klar: RAF-Sympathisanten, denen Austs Buch und dessen Verfilmung missfiel, hatten die Farbbeutel geschleudert. Auch als im letzten Jahr die Fassaden von Politikerhäusern mit Farbe bespritzt wurden, war das eine Tat politisch Unzufriedener. Dabei ging es um Asylpolitik.

Bereits im Sommer wurden die Urheber solcher Attacken jedoch weniger eindeutig. Da wurde ein Modeladen im Schanzenviertel mit Farbe bombardiert. Waren das Linksautonome? Vielleicht. Aber sie hatten einen Farbton gewählt, der gut zum Logo der Marke passte. Und die recht konventionellen Kleider im Schaufenster wurden durch den Jackson-Pollock-Effekt auf der Glasscheibe viel interessanter.

Nun stellte die Hotelkette Superbude ihre Pläne für einen 230-Zimmer-Neubau auf St. Pauli vor. Der fotorealistische Architektenentwurf zeigt einen sechsgeschossigen Klinkerbau – und die Spuren einer massiven Farbattacke an der Fassade. Realismus? Oder ein Marketingtrick, um Besuchern zu zeigen, dass sie auch im schicken Neubau ein Stück vom originalen, also rauen und dreckigen St. Pauli kriegen?

Wenn in Zukunft einfach jeder sein eigenes Haus mit Farbe bombardiert, wird jedenfalls vieles leichter. Auch für den Staatsschutz, der nicht mehr jedes Mal ermitteln muss.