DIE ZEIT: Herr Wagner, Sie haben ein Verbotsschild an Ihre Restauranttür geklebt. Neuerdings sind in Ihrem Lokal nicht mehr nur Handys und Waffen verboten, sondern auch eine AfD-Mitgliedschaft. Warum?

Billy Wagner: Ich möchte ganz ehrlich sein: Weil mir die AfD nicht geheuer ist. Deren Politiker poltern ständig drauflos, manchmal auf übelste Art und Weise, sie sprechen die niedersten Instinkte der Menschen an. Mir wird es da einfach angst und bange. Bei der Berliner Senatswahl hat die AfD 14 Prozent geholt. Danach saß ich mit Freunden zusammen, wir waren wirklich geknickt und fassungslos. Damals beschloss ich: Nein, ich werde nicht meinen Mund halten. Ich werde meine Meinung sagen. So bin ich auch erzogen worden. Ich war Schüler auf dem Herz-Jesu-Internat in Eichstätt, mir wurden christliche Werte vermittelt – und das sind nicht die Werte der AfD.

ZEIT: Ein Ausschluss von AfD-Leuten ist nun auch nicht gerade tolerant.

Wagner: Ja. Aber wer intolerant gegenüber anderen ist, hat von mir keine Toleranz zu erwarten.

ZEIT: Denken Sie, dass Sie mit Ihrer Aktion auch nur einen AfDler von seiner Meinung abbringen?

Wagner: Das weiß ich nicht. Kann sein, dass das die AfD nicht interessiert. Kann auch sein, dass einige jetzt noch entschlossener AfD wählen oder eben nicht. Aber wenn ich noch mal ehrlich sein darf: Ich bin Egoist. Ich betreibe das Restaurant nur, weil ich es so will. Die Menschen sitzen gewissermaßen am meinem privaten Küchentisch, um die Küche herum, sie sehen den Koch bei der Arbeit, es ist, als wären sie bei mir zu Hause. Deswegen darf ich entscheiden, wer kommen kann und wer nicht. Und ich möchte keine AfD-Leute bedienen. Die Demokratie muss solche Meinungen aushalten. Ich in meinem Restaurant nicht.

ZEIT: Sie tun der AfD einen großen Gefallen: Sie geben ihr die Möglichkeit, sich weiter als die geknechtete, die ausgestoßene Partei zu vermarkten.

Wagner: Damit muss ich wohl leben. Aber ich zwinge die AfD und ihre Anhänger auch, sich zu entlarven. Es gab auf meiner Facebook-Seite eine große Debatte, nachdem ich ein Bild unseres Tür-Aufklebers veröffentlicht habe. Mehrere Leute schrieben: "Wartet nur, was passiert, wenn wir an der Macht sind!" Das lässt tief blicken, finden Sie nicht? Andere bedrohen mich, manche wollen mir das Gesundheitsamt auf den Hals jagen oder mich gleich krankenhausreif schlagen. Und ich hoffe, dass diese Sprüche einen Effekt haben.

ZEIT: Welchen?

Wagner: Dass diejenigen, die noch schwanken und nicht sicher sind, ob sie die AfD nun gut finden sollen, diese Kommentare sehen und merken: Das kann nicht richtig sein.

ZEIT: Gibt es Gäste, die Ihnen sagen: Die Ausgrenzung bringt gar nichts, im Gegenteil?

Wagner: Das sagen sogar Leute, die ich schätze.