Viele US-Amerikaner fanden, dass sie bei der Präsidentschaftswahl zwischen dem Teufel wählen konnten und dem tiefen, blauen Ozean, between the devil and the deep blue sea. Diese geläufige Redewendung klingt fast schon romantisch. Im Deutschen wird die Wahl zwischen zwei vermeintlichen Übeln weniger poetisch ausgedrückt: mit zwei grässlichen Krankheiten, der Pest und der Cholera. Doch es handelt sich dabei nicht um zwei gleich schreckliche Leiden – die bessere Wahl ist eindeutig.

Die Pest wird durch das Bakterium Yersinia pestis ausgelöst und meist durch Zwischenwirte wie Ratten auf den Menschen übertragen. In Deutschland ist sie seit vielen Jahren nicht mehr aufgetreten. Aber weltweit ist sie noch längst nicht ausgerottet, es kommt immer wieder zu Ausbrüchen, nicht nur in Entwicklungsländern. Auch im Westen der USA werden immer wieder Erkrankungen gemeldet. Wird die Pest nicht gleich in den ersten Tagen mit einem Antibiotikum bekämpft, dann ist der Tod des Infizierten ziemlich sicher. Erst vor zwei Jahren starben in Madagaskar 40 Menschen an der Krankheit.

Auch die Cholera wird durch ein Bakterium hervorgerufen, es heißt Vibrio cholerae. Die Infektion kann zu starkem Durchfall führen, der Körper verliert viel Flüssigkeit. Auch das führt nach ein paar Tagen zum Tod, wenn die Krankheit nicht behandelt wird. Gibt man dagegen den Patienten ausreichend Wasser und Elektrolyte, um den Verlust auszugleichen, werden fast alle wieder gesund. Mit einem Antibiotikum kann man den Genesungsprozess beschleunigen. Nimmt man das Sprichwort wörtlich, lautet die klare Antwort also: Vor die Wahl gestellt, sollte man auf jeden Fall die Cholera wählen.

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