Petra Bahr leitet die Abteilung Politik und Beratung der Konrad-Adenauer-Stiftung. In ihrer Kolumne geht sie der großen Politik im Alltag auf den Grund. © Kulturrat der EKD

Angetreten, noch mal angetreten, wiedergewählt, neu aufgestellt. So könnte man die politischen Ereignisse der letzten Wochen zusammenfassen. Nur handelt es sich nicht um den Vorstand des örtlichen Vereins, sondern um wichtige Entscheidungen der großen westlichen Demokratien. Deshalb zittert auch die ganze Welt. Menschen streiten über den künftigen amerikanischen Präsidenten und um die Präsidentschaftskandidaten in Frankreich, darüber, ob die alte Bundeskanzlerin auch die neue sein soll, ob der nächste Präsident in Österreich das gespaltene Land einen kann und was in Italien passiert, nachdem Renzi unter Tränen zurückgetreten ist.

Nur ein Rücktritt klingt fröhlich. Der frischgebackene Weltmeister der Formel 1 nimmt seinen Hut, oder in diesem Fall: seinen Rennhelm ab. Er wird nicht mehr wie der Teufel über den Asphalt jagen und Kopf und Kragen riskieren. Er will für seine junge Familie da sein und sich einen anderen, wohl weniger gefährlichen Beruf suchen. Dafür wird er bewundert – und vielleicht auch von den oben genannten Amtsträgern beneidet. Hass und Häme erntet er aber ebenfalls. Aufhören, wenn es am schönsten ist? In den sozialen Netzwerken wird er als Warmduscher und Feigling beschimpft. Zu gerne hätten einige Formel-1-Fans noch ein paar heikle Fahrmanöver und Crashs gesehen. Entlarvend, finde ich. Doch an dem heiteren Rücktritt des Rennfahrers wird auch deutlich, was der Unterschied ist zwischen einem Amt und einem sogenannten coolen Job.

Nico Rosberg ist am Ende nur für seine Leidenschaft, seine Neugier auf ein anderes, ruhigeres Leben und für das seiner Kinder verantwortlich. Amtsträger hingegen vertreten immer die, die ihnen dieses Amt einst verliehen haben. Bürde und Würde politischer Ämter hängen in der Politik an dem Gedanken der Repräsentation: Die ist Stellvertretung auf Zeit. Ob Rücktritt oder Wiederantritt oder Wahl, den tieferen Sinn für Ämter kann man auch daran erkennen, dass Nico Rosberg keines hatte. Aber vielleicht ändert sich das irgendwann noch. Beherzt Entscheidungen treffen und sie mit starker Haltung vertreten, das kann er ja schon.