Dieser Artikel stammt aus dem Hamburg-Teil der ZEIT Nr. 52 vom 15.12.2016. Sie finden diese Seiten jede Woche auch in der digitalen ZEIT.

Man setzt sich hin und denkt: "Urban!", mit durchaus gemischten Gefühlen. Alsterglacis und Bahndamm bieten kein anheimelndes Panorama. Andererseits hat es doch was, aus einem geschützten Winkel auf den Strom der Autos und S-Bahnen zu blicken.

Das Basil & Mars ist ein Restaurant von der loungigen Sorte, das den Rummel draußen gut verträgt. Die Einrichtung hakt alles ab, was heute wohl sein muss: Cocktailbar, Captain’s Table, unverkleidete Belüftung – das aber gekonnt. So mysteriös wie die bernsteinartigen Lampen vor der offenen Küche ist allerdings manches am Konzept.

Das beginnt schon mit dem Namen: Mars steht für Joachim Mars, den Inhaber der Marsbar. Aber wer ist Basil? Und was ist da in blauer Leuchtschrift an die Wand geschrieben: "This night will be your krgzxmer"? Oder doch "This might well be ..."? Mit jedem Glas Wein wird es schwerer. Und der Wein ist hier sehr gut.

Das Essen haben die Tester der Bild nach der Eröffnung im Oktober verrissen. Prima, konterten etwas unsouverän die Besitzer: Auf deren Leser legten sie ohnehin keinen Wert. Tatsächlich ist der Laden voll mit Paaren vom Typus Handelsblatt/Gala. Sehr wohltuend ist da der auf natürliche Art nette Service, geleitet von Sohn und Tochter des Kochs Bernard Fitoussi, der sein Familien-Bistro Chez Bernard in Eppendorf kürzlich aufgab.

Wird im Basil & Mars französisch gekocht? Auch daraus macht man hier ein Rätsel. Dafür spricht das Opinel-Messer, das einem zu Beginn des Menüs aus einer Weinkiste gereicht wird. Dann ist da noch der selbstironische Spruch "#excuseourfrench" an der Tür, dessen tieferen Sinn hier niemand erklären kann. Die Speisekarte allerdings liest sich mehr als gemischt mit Moules frites und Bratwurst, Sashimi und Käsekuchen. Das eigene Carpaccio "geil" zu nennen verrät den Einfluss von Tim Mälzer, der nebenan ein neues Lokal eröffnet hat.

An so einem Ort liegt es nahe, das Überraschungsmenü zu bestellen. Es ist auch – nächstes Rätsel – trotz seiner sechs Gänge günstiger als der teuerste Hauptgang. Von dem, was dann kommt, sind die Kellner selbst überrascht, die Küche improvisiert anscheinend gerne.

Noch dazu ist der kulinarische Stil überhaupt nicht auf einen Nenner zu bringen: ein bisschen Italien in Form eines arg simplen Dörrfleisch-Brotsalats. Ein bisschen Pazifik als guter, scharfer Rohfischsalat Poke auf gesäuertem Reis. Mal verfranzt sich die Küche in einem Durcheinander von Süßkartoffel-Maisbrei mit Grillgemüse und geräucherten Chilis samt Stücken von sicher teurem, aber trotzdem zähem US-Beef. Mal begeistert sie mit einer geradlinigen Sauerkrautsuppe aus der polnischen Heimat des Küchenchefs.

Man würde das alles gern spannend nennen, aber im Grunde ist es nur verwirrend. Wo anderen Restaurants die Ideen fehlen, hat das Basil & Mars zu viele. Was es bis jetzt daraus macht, ist noch ziemlich krgzxmer.

Basil & Mars, Alsterufer 1, Rotherbaum. Tel. 41 35 35 35, www.basilundmars.com. Geöffnet montags bis freitags von 9 bis 24 Uhr, samstags von 12 bis 24 Uhr. Menü ab 38 Euro