"Jeder Garten braucht Exoten." Das hat nicht Margot Käßmann beim Kirchentag gesagt, sondern ein Hamburger Kleingärtner. Aber die Message ist klar: Unsere Flora bleibt multikulturell, die Magnolie gehört zu Deutschland. Wenn sich Kleingärtner in der Presse zu Wort melden, ist etwas im Argen. Diese Leute haben Wichtigeres zu tun, als Reportern die Logik der globalisierten Botanik zu erklären. Jetzt haben sie eine Ausnahme gemacht, denn die Lage ist angespannt. Wie die Bild-Zeitung ermittelte, verbietet die Stadt die Aufzucht nicht einheimischer Bäume.

GardenLeaks in Hamburg. Die Enthüllung: Bei Neubauten oder Nachpflanzungen werden Eigentümer angehalten, deutsches Gehölz zu verwenden. Harburgs Bezirksamtsleiter Thomas Völsch (SPD) sagt es unverblümt: "Regelmäßig werden Festsetzungen zur ausschließlichen Verwendung einheimischer Bäume und Sträucher getroffen." Auch bei sogenannten Ersatzpflanzungen würde "die Verwendung von heimischen Baumarten zur Pflicht gemacht".

Es gibt 33.000 Kleingärtner in Hamburg, Menschen, deren florales Verständnis nicht an der nächsten Buchsbaumhecke endet. Diese Gruppe gegen sich aufzubringen ist politisch riskant, selbst für eine Erfolgspartei wie die SPD.

"Zu einem harmonischen Gartenbild gehören unterschiedliche Mischbäume dazu", erklärte der Kleingartenexperte Gerhard Probst in Bild. "Das würde sonst sehr trist aussehen."

Genau. Die Aussichten sind trist, auch für Hausbesitzer, die wissen, dass zu einem gepflegten Rasenstück eine Rahmung aus Rhododendren gehört. Heinrich Stüven vom Grundeigentümer-Verband ist entsprechend irritiert: "Wird man jetzt einen Gehölzbeauftragten durch die Gegend schicken? Also, ich kann fremde Pflanzen nicht so ohne Weiteres von einheimischen unterscheiden."

Die Unsicherheit wächst. Wird es Baumschulen geben für Grundeigentümer? Wie unterscheide ich die deutsche von der Korea-Tanne? Hat mir im Baumarkt jemand eine Himalaya-Zeder angedreht? Oder, im Sinne des Guerilla-Gardenings, wie tarne ich eine japanische Kogelpalme als Moorbirke?

Beruhigend ist: Die Stadt darf Privatgärten nicht so ohne Weiteres betreten, "eine Drohne drüberschicken geht auch nicht" (Stüven).

Dennoch ist der kulturelle Flurschaden bereits angelegt in dieser Konzentration aufs ökologisch Eigene. Wird es bald eine Obergrenze für nicht einheimische Pflanzen in Hamburg geben? Wird umgetopft und abgeschoben? Werden die Hardliner eine Mauer um ihre Gärten bauen, damit keine fremden Triebe und Samen mehr einwandern? Haben wir demnächst geduldete Pflanzen? Wie oft darf man die gießen?

Deutsche Artenvielfalt gegen Globalisierungspflanzen: Das könnte die ideologische Richtung sein, mit der man identitäre Gewächse in Stellung bringt. Bunker-Begrünung auf St. Pauli? Gern, aber bitte ohne neuseeländischen Baumfarn.