DIE ZEIT: Herr Heintze, die wichtigste und mächtigste CDU-Politikerin aller Zeiten hat Hamburg im Alter von wenigen Wochen verlassen. Eine gute Entscheidung von Frau Merkel?

Roland Heintze: (lacht) Aus ihrer Sicht war das sicherlich eine gute Entscheidung, aber wir wären hier auch gut mit ihr umgegangen.

ZEIT: Wirklich? Hamburg hat als einziger CDU-Landesverband vor der Bundestagswahl 2017 keine Frau auf einen guten Listenplatz gesetzt. Die ersten vier Plätze sind von Männern belegt.

Heintze: Die anderen Landesverbände haben ihre Listen noch gar nicht aufgestellt.

ZEIT: Wäre die Sache besser, wenn andere Landesverbände ähnlich agieren würden, Frau Prien?

Karin Prien: Überhaupt nicht. Das wäre genauso rückwärtsgerichtet und falsch.

Heintze: Wir haben jetzt die Hausaufgabe, starke Frauen in Zukunft auch auf die ersten drei Listenplätze zu bekommen. Dieses Mal ist es nicht gelungen – das ist aber demokratisch entschieden worden.

ZEIT: Erstaunlich, wie bereitwillig Sie nun Einsicht und Umkehr versprechen. Ihr Wahlausschuss ist ein gewähltes Gremium, über dessen Vorschläge gewählte Delegierte abgestimmt haben. Kann man nicht sagen: Ihre Männerliste ist genau das, was die Hamburger CDU will?

Prien: Der Wahlausschuss wird von den Kreisverbänden und Vereinigungen dominiert, er zementiert bestimmte Machtstrukturen. Deswegen ist er für die heutige Zeit, in der von uns Transparenz erwartet wird, nicht mehr zeitgemäß.

Heintze: Es ist ein demokratisch legitimierter Ausschuss, allerdings denke ich, dass wir Kandidatenvorschläge künftig auf noch breitere Füße stellen sollten. Daher werde ich den Gremien vorschlagen, den Wahlausschuss abzuschaffen.

ZEIT: Viele in Ihrer Partei wünschen sich eine Stärkung des konservativen Elements. Da ist es doch im Grunde nur konsequent, die Frauen auf ihren traditionellen Platz zu verweisen.

(Prien und Heintze lachen)

Prien: Ja, wir müssen uns als Union in Hamburg erneuern, und ja, es gibt gerade eine deutliche Hinwendung zum Konservativen. Was wir bräuchten, wäre eine moderne, konservative Ausrichtung, die aber nicht rückwärtsgewandt ist. Gleichstellung müsste dabei eine Selbstverständlichkeit sein. Aber eine Erneuerung kann nicht nur heißen: männlich, jung und konservativ. Da finden sich dann zu viele nicht mehr wieder.

Heintze: Wir müssen bitte wertkonservativ und strukturkonservativ unterscheiden. Zum Wertkonservativen gehört es nicht, dass die Rolle der Frauen am Herd ist, sondern dass es auch in der Union unter Wahrung des Leistungsprinzips eine gleichberechtigte Teilhabe gibt.

ZEIT: Frau Prien, wenn die erste Frau auf Platz fünf der Landesliste gesetzt wird: Was bedeutet das für die Frauen in der CDU?