Selbstgespräche sind ein überaus nützlicher Zeitvertreib. Man kann ausreden, ohne dauernd unterbrochen zu werden, hat stets einen interessierten Zuhörer und gerät nur selten in Streit, weil man seine eigene Meinung ja üblicherweise teilt. Davon abgesehen, tut man auch seinen Mitmenschen etwas Gutes, wenn man ihnen nicht jeden seiner unausgegorenen Gedanken umgehend mitteilt.

Leider ist diese Haltung gesellschaftlich kaum akzeptiert. Der Konsens verlangt Gespräche mit mehreren Teilnehmern und mindestens einem Zuhörer. Was zur Folge hat, dass dieser sich selbst mit dem größten Unsinn auseinandersetzen muss, wenn er den Vorwurf mangelnder Dialogbereitschaft vermeiden will. Hier setzt eine subtile Marketingmethode an. Weil man sich Dialogen nicht verweigern kann, gibt es auf einmal ganz viele davon.

Die Leute, die einem in der Fußgängerzone Mitgliedschaften oder Abos verkaufen wollen, heißen sogar so: Dialoger. Nicht etwa Überreder oder Aufschwatzer, obwohl das auch zuträfe. Sie möchten mit uns in Dialoge eintreten, die mit echten Gesprächen aber nur so viel gemein haben wie die Unterhaltung mit einem Chatbot oder der Plausch mit der Hotline-Frau, die zwischen der Musik so nett sagt: "Bleiben Sie dran, Ihr Anruf ist wichtig für uns." Im Briefkasten liegt dann schon die neue Dialogpost. So heißt das Spezialangebot der Deutschen Post für Werbetreibende, die "Cross- oder Upselling" betreiben, sich also exakt so lange für fremde Meinungen interessieren, bis sie etwas verkauft haben.

Die Konventionen haben sogar Speisen in Dialogbereitschaft versetzt, wie Leserin Angelika K. bemerkte. Der Dialog der trocken gereiften Havelländer Flugente mit sautierten Schwarzwurzeln, Lauch, Quitte und Schupfnudeln beispielsweise auf der Karte eines Hamburger Bio-Restaurants. Darüber könnte man lachen, wenn man sich damit nicht schon ernsthaft auseinandersetzen würde.