Wie viel Macht und Einfluss die einzelnen Minister in Trumps Regierung letztlich haben werden, ist auch deshalb schwer vorherzusehen, weil es jenseits der offiziellen Nominierungen einen kleinen Kreis von Personen gibt, ohne die Trump niemals Präsident geworden wäre und auf deren Rat er voraussichtlich auch künftig nicht verzichten wird. Zu diesem inneren Zirkel der Macht zählen Trumps Tochter Ivanka und ihr Ehemann Jared Kushner. Beide wichen in den vergangenen Wochen und Monaten kaum von Trumps Seite. Nun heißt es, sie suchten bereits ein Haus in der Hauptstadt Washington.

Welche Rolle werden sie künftig im Weißen Haus spielen? Beide haben kein erkennbares politisches Profil, dafür stehen sie jeweils an der Spitze eines großen Immobilienunternehmens. Kushner, 35, übernahm bereits in jungen Jahren die Leitung der väterlichen Firma; später erweiterte er sein Betätigungsfeld und kaufte die Wochenzeitung The New York Observer. Viele Entscheidungen, die künftig im Weißen Haus getroffen werden, haben mittelbar oder unmittelbar Einfluss auf Kushners Unternehmen.

Dass Trump seinen Schwiegersohn oder sogar seine Tochter offiziell mit einem Regierungsamt betrauen wird, ist eher unwahrscheinlich. Aber er hat einmal angedeutet, Kushner könne sich künftig um den Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern kümmern – eine der heikelsten politischen Aufgaben, die zu vergeben sind. Und auch hier lauert ein möglicher Interessenkonflikt. Denn Kushners Familie, orthodoxe Juden, hat in der Vergangenheit für rechte israelische Einrichtungen in den von Israel besetzten Gebieten gespendet. Und wie sieht Kushner überhaupt die Zukunft der kriegsgeschüttelten Region? Unterstützt er die Ein-Staaten-Lösung, wie so viele Autoren, die für Stephen Bannons rechtspopulistische Website Breitbart schreiben?

Dieser Stephen Bannon arbeitet demnächst ebenfalls in Rufweite des Präsidenten und übt bisher einen besonders großen Einfluss auf Trump aus. Der 63-Jährige war zunächst als Stabschef gehandelt worden, nun wird er eine Art Chefstratege. Bannon hatte bereits vor der Wahl engen Kontakt zu den rechten, nationalistischen Bewegungen in Europa gesucht. In welchem Ausmaß darf er die großen politischen Linien der Trump-Präsidentschaft zeichnen? Nur eines scheint gewiss: Stephen Bannon, Jared Kushner und Ivanka Trump – sie alle werden auch künftig viel näher an Donald Trump dran sein als irgendeiner seiner Minister.