Im englischen Stourport-on-Severn musste ein Vater mit ansehen, wie sein 18 Monate alter Sohn das rechte Auge verlor. Ein Propeller schnitt dem Kleinkind direkt ins Gesicht, ein Freund der Familie hatte die Kontrolle über seine Drohne verloren. Es war der bislang schwerste Unfall mit einem solchen Fluggerät.

Die Rede ist nicht von den tonnenschweren unbemannten Killermaschinen, mit denen das US-Militär von Pakistan bis Somalia Terroristen jagt und bereits mehrere Tausend Menschen ferngesteuert getötet hat. Nein, es geht um die kleinen unbemannten Luftfahrzeuge für den privaten und kommerziellen Gebrauch. Meist handelt es sich um Multikopter mit vier, sechs oder acht Rotoren. Die größeren Modelle erreichen bis zu 100 Kilometer pro Stunde und können mehrere Kilo Last tragen. 400.000 Drohnen schwirren bereits in Deutschland umher, weltweit sind es mehrere Millionen. Und im diesjährigen Weihnachtsgeschäft dürfte sich ihre Zahl fast verdoppeln.

Mit einer Drohne kann jeder zum Piloten werden, per Kamera die Welt von oben betrachten, durch Gebäude und Höhlen fliegen, beim Extremsport filmen, an Flugwettbewerben teilnehmen. Die Technik verspricht großen Spaß und vielfältigen Nutzen. Und sie ist eine Gefahr für die private und öffentliche Sicherheit. Zahlreiche Zwischenfälle und Beinahe-Katastrophen geben einen Vorgeschmack auf das, was noch kommen kann. Der österreichische Skirennfahrer Marcel Hirscher wurde im vergangenen Winter nur um Haaresbreite von einer abstürzenden Kameradrohne verfehlt. Multikopter durchschlugen Hochhausfenster und knallten in die Windschutzscheiben fahrender Autos. Im November kollidierte eine Drohne mit dem Münchner Fernsehturm und stürzte aus 180 Metern einer vierköpfigen Familie vor die Füße. Ein Wunder, dass bisher noch kein Todesfall bekannt wurde.

Drohnen können ahnungslose Passanten verletzen, sie können auch Nachbarn, Prominente, Militär- und Industrieanlagen ausspionieren. Sie gefährden den Straßen- und Flugverkehr, schmuggeln Drogen und Waffen über Grenzen und in Gefängnisse. Sie könnten Gift oder Bomben transportieren.

63 Behinderungen durch Drohnen hat die Deutsche Flugsicherung (DFS) in diesem Jahr gezählt, fünfmal mehr als 2015. Besonders betroffen ist der Frankfurter Flughafen, gefolgt von den Airports Köln/Bonn und München. Knapp war es schon öfter, bisher kam es aber noch nie zu einem Zusammenstoß von Flugzeug und Drohne. Was dabei passieren würde, ist unklar, aussagekräftige Tests gab es noch nicht.

Gefährlich wäre eine Kollision auf jeden Fall. Das Cockpitfenster könnte splittern, eine Turbine ausfallen. Geschieht das bei Start oder Landung, droht ein Absturz. Besonders knapp ist die Londoner City an so einem Unfall vorbeigeschrammt. Nur 20 Meter betrug im Sommer der Abstand zwischen der Drohne und einem Linienjet im Landeanflug auf den Flughafen Heathrow. Im August rauschte in München die rechte Tragfläche eines Lufthansa-Jets knapp an einem Quadrokopter vorbei.

Beide Beinahe-Kollisionen fanden in 1.500 Meter Höhe statt. So weit oben dürften Drohnen niemals fliegen. Vorgeschrieben ist, dass der Pilot zu der Drohne ständigen Sichtkontakt mit bloßem Auge halten muss. Schon ab hundert Metern Abstand ist der meist nicht mehr gegeben. In Deutschland gelten zudem zahlreiche Überflugverbote, etwa über Krankenhäusern, Kraftwerken, militärischen Anlagen, Gefängnissen, Unfallorten und Menschenansammlungen. In Berlin darf außerdem in Bannkreisen rund um das Reichstagsgebäude und den Forschungsreaktor in Wannsee nicht geflogen werden. Zusammen mit den Verbotszonen der Flughäfen Tegel und Schönefeld ist ein Großteil der Hauptstadt für Drohnen tabu. Doch das schert viele Hobbypiloten wenig. Die Gefahr, erwischt zu werden, ist gering. Nur ein gutes Dutzend Strafverfahren gab es in Berlin bisher.

Auf der einen Seite drohen Übermut, Dummheit und böse Absicht, auf der anderen wird eilig an Abwehrmaßnahmen gearbeitet. Gefährliche Drohnen sollen rechtzeitig geortet, identifiziert und unschädlich gemacht werden. Das Wettrüsten zwischen Jägern und Hobbypiloten hat begonnen.