"Wir Sozis können mit Geld umgehen", jubelte Olaf Scholz vor zwei Jahren, als er verkündete, dass die Stadt Hunderte Millionen Euro an Schulden zurückzahlt. Ordentliches Regieren hatte der Bürgermeister beim Amtsantritt versprochen und scheinbar geliefert: Studien- und Kitagebühren abgeschafft, den Wohnungsbau angekurbelt, Millionen in Schulen gesteckt und trotzdem die Finanzen der Stadt saniert. Wenn in dieser Woche die Ausgaben für die kommenden beiden Jahre beschlossen werden, ist trotzdem Geld da für mehr Polizisten, mehr Richter, mehr Staatsanwälte, mehr Feuerwehrleute, mehr Lehrer, eine bessere Nachmittagsbetreuung von Schulkindern, die Sanierung von Spielplätzen und vieles mehr.

Das klingt gut. So gut, dass Skepsis angebracht ist. Wie passt das zusammen: ein rigoroser Sparkurs, aber immer neue Ausgaben? Die Kosten der Zuwanderung, die Milliardenverluste der HSH, und trotzdem baut die Stadt Schulden ab?

Das passt nicht zusammen.

Der Scholz-Senat hat die Ausgaben stärker erhöht als seine Vorgänger. Das konnte er mit Rekordsteuereinnahmen und einigen Tricks kaschieren. Doch bei genauem Hinsehen wird klar: Der Schuldenstand ist nicht kleiner, sondern größer geworden. Und in diesem Jahr hat die Stadt Schulden in Milliardenhöhe aufgenommen.

Die Legende vom sparsamen Scholz begann im Wahlkampf 2011, als der Bürgermeister solide Finanzen versprach. Pay as you go, lautete seine Losung. Bei jeder zusätzlichen Ausgabe sollte klar sein, wo das Geld herkommt. Nach der Wahl beschloss der Senat per Gesetz Obergrenzen für die Ausgaben: Nur knapp ein Prozent sollte jedes Jahr mehr ausgegeben werden dürfen, orientiert am langfristigen Wachstum der Einnahmen. Das hatte auf den ersten Blick Erfolg: In den vergangenen beiden Jahren verkündete der Senat einen Überschuss von mehreren Hundert Millionen Euro, auch 2016 hat er angekündigt, mehr einzunehmen als auszugeben.

Hat Hamburg also gespart? Keineswegs. In den Geschäftsberichten der Stadt kann man nachlesen, wie viel sie etwa für Gehälter, Mieten oder staatliche Leistungen ausgibt. Das Ergebnis: In allen wesentlichen Bereichen sind die Ausgaben zwischen 2011 und 2015 stärker gestiegen als unter der Vorgängerregierung – und sehr viel stärker, als durch das Bevölkerungswachstum zu rechtfertigen wäre. Die Finanzbehörde bestätigt das, verweist aber darauf, dass viele zusätzliche Kosten von der Vorgängerregierung verursacht worden seien.

Aber hat sich der Senat in den vergangenen Jahren bemüht, Kosten zu reduzieren? Ein Blick auf eine andere Zahl lässt zweifeln: Die Stadt wollte zwischen 2011 und 2015 mehr als 1.000 Stellen in der Verwaltung einsparen. Stattdessen hat sie fast 1.500 geschaffen, dies hat der Rechnungshof nachgerechnet.

Die augenscheinlich dennoch guten Ergebnisse verdankt die Stadt nicht ihrer Spardisziplin, sondern einmaligen historischen Bedingungen. Noch nie gab es so hohe Steuereinnahmen, noch nie waren die Zinsen so niedrig. Die Verwaltung musste im vergangenen Jahr 320 Millionen Euro weniger an Zinsen zahlen als vor fünf Jahren. Das ist mehr als das, was die Stadt im Jahr für Kultur ausgibt. Die Steuereinnahmen sind im selben Zeitraum um 1,2 Milliarden Euro gestiegen.

Die Regierenden hatten im vergangenen Jahr also fast ein Fünftel mehr Geld zur Verfügung als ihre Vorgänger im Jahr 2010. Hätte die Stadt wirklich gespart, also Kosten gesenkt, hätte sie ihre Schulden um Milliarden verringern können. Stattdessen ist der offizielle Schuldenstand sogar gestiegen: von 2011 bis 2015 um fast zwei Milliarden auf 23,2 Milliarden Euro allein in der Verwaltung. Die angeblichen Millionenüberschüsse des Senats waren vor allem effiziente Öffentlichkeitsarbeit.