Die Geschichte des Literaturnobelpreises ist nicht immer eine glückliche gewesen. Die Älteren unter uns erinnern sich noch an jenes Drama, das sich damals, als Clemens Brentano den Preis erhielt, zu unser aller Leidwesen abgespielt hat. Es war in jenem unglückseligen Jahr 1809, das nicht allein von den Napoleonischen Kriegen überschattet wurde, sondern auch vom allzu frühen Hinscheiden des Dichters Franz Karl Leopold von Seckendorf-Aberdar, der in jenen Kriegen den Heldentod fand. Er war übrigens ein Altersgenosse Brentanos und hätte den Preis weit eher verdient als dieser, der, als ihn die Depesche der Schwedischen Akademie ereilte, weder Ja noch Nein sagte, sondern einfach gar nichts.

Nun hatte Brentano den Preis in der Hauptsache für seinen seinerzeit (1801) erschienenen vollkommen unverständlichen, deshalb viel diskutierten Godwi erhalten, der im Untertitel Ein verwilderter Roman hieß, woraus man hätte schließen können, dass dessen Autor ein höchst unzuverlässiger Geselle war. Die Schwedische Akademie jedoch hatte schon immer die Neigung, im Unverständlichen literarische Größe zu erblicken. Sie wartete geraume Zeit auf eine Antwort Brentanos, bis dieser mitteilen ließ, er werde möglicherweise kommen, stattdessen aber, als die Verleihung bevorstand, seinen Herzensfreund Achim von Arnim schickte, ebenjenen, mit dem zusammen er Des Knaben Wunderhorn herausgegeben hatte. Arnim also reiste nach Stockholm und rezitierte im Angesicht des schwedischen Königs (es war Karl XIII., der Onkel des eben abgesetzten Gustav IV. Adolf) Brentanos berühmten Song Der Spinnerin Nachtlied (er stand jahrelang an der Spitze aller Hitlisten) , brach dabei aber derart heftig in Tränen aus, dass die Veranstaltung abgebrochen werden musste.

Eine auf andere Weise peinliche Geschichte ereignete sich genau 150 Jahre später, als sich die Schwedische Akademie dazu entschloss, den Nobelpreis posthum an den legendären Verhinderer und Verunmöglicher Gottlieb Theodor Pilz zu vergeben, sicherlich inspiriert einerseits durch einen Gedenkaufsatz von Wolfgang Hildesheimer, andererseits durch die damals herrschende Zeitströmung einer antibürgerlich-antigenialischen Literaturauffassung. Wer beschreibt das Entsetzen der Kollegen in Stockholm, wer das wiehernde Gelächter allerorten, als herauskam, dieser Gottlieb Theodor Pilz sei nichts anderes als eine tückische Erfindung Hildesheimers.

Mit anderen Worten: Der Unterzeichnete ist froh darüber, der Stockholmer Jury nicht anzugehören.

FINIS