Das Selbermachen liegt im Trend, der urbane Mensch stemmt sich gegen die Entfremdung mit einem Faible fürs Handwerk. Tagsüber knechtet man in der Agentur, nach Feierabend wird Marmelade eingekocht.

Den Weihnachtsbaum eigenhändig aus dem Erdreich lösen – auch das eine Kulturtechnik mit Distinktionsgewinn. Selbst gesägt, sagt man dann stolz bei der Bescherung, während Videogames und neue Smartphones die Runde machen.

Erdbeerhof Glantz in Delingsdorf, 12.000 Tannen stehen hier. Am Wochenende parken die Hamburger SUVs dicht an dicht. Die Ladys schlüpfen aus den Loafers heraus und in Gummistiefel hinein, die Herren tragen zur Outdoorjacke den passenden Handschuh. Und dann wird gesägt, als befände man sich in einem Roman von Jack London. In den Ruf der Wildnis mengt sich Kindergeschrei: "Den hier, Papa, der ist viel größer!"

Dieser Artikel stammt aus dem Hamburg-Teil der ZEIT Nr. 52 vom 15.12.2016. Sie finden diese Seiten jede Woche auch in der digitalen ZEIT.

Größe muss sein, auch für die anwesende Prominenz. NDR-Moderatorin Sandra Maahn erklärt: "Der Baum gehört bis unter die Decke." Für Cornelia Poletto soll es schon deshalb ein stattliches Exemplar sein, weil sie Weihnachtsschmuck sammelt und der entsprechend ausgestellt werden will. "Letztes Jahr gab’s goldbesprühte Jakobsmuscheln. Die Löcher für die Halterung hat mein Zahnarzt gebohrt."

HSV-Spieler Dennis Diekmeier ist mit der Familie angerückt, bei drei Kindern und demokratischer Grundhaltung dauert der Auswahlprozess etwas länger. Irgendwann sagt Dana Diekmeier: "So, den nehmen wir jetzt. Es fängt gleich an zu regnen."

Ein leichter Schauer macht dann alles noch schöner: Die Zweige leuchten wie grüne Emaille, und man hat nicht nur den Wald bezwungen, sondern auch den Elementen getrotzt.

Oh! Feines Catering mit Linsensuppe und Punsch für die Holzfäller

No! Die Prominenten kamen nicht ins Schwitzen – die Profis von Glantz halfen zu schnell nach