Die sengende Sonne brennt, den Geruch von Sattelleder und Pulverdampf hat man ewig in der Nase, den Hufschlag der Pferde und die plötzlich peitschenden Schüsse mit ihrem langsam verdämmernden Nachhall bis ans Ende seiner Tage im Ohr. Wer in seiner Prägephase zwischen 8 und 18 viele bis zu viele Western gesehen hat, der wird solche ästhetischen Eindrücke nicht mehr los. Diese Verheerung der Seelen erreichte um 1970 ihren Höhepunkt. Denn damals machte, mitten im Kalten Krieg, als die westliche Welt ihr Goldenes Zeitalter von Wohlfahrtsstaat und Vollbeschäftigung erlebte, eine neue Kunstgattung Furore: der Spaghetti-Western. Drehort Italien. Der italienische Regisseur Sergio Leone schuf 1964 mit Für eine Handvoll Dollar den Prototyp des Genres und nebenbei einen Filmstar namens Clint Eastwood. Für das Drehbuch diente Akira Kurosawas Samurai-Film Der Leibwächter als Inspiration, was dem Japaner nach einem Copyright-Prozess mehr als nur eine Handvoll Dollar, nämlich 15 Prozent der weltweiten Einnahmen bescherte – ein schönes Beispiel für transnationalen Kulturaustausch durch eine bereits damals globalisierte Kulturindustrie.

Damit begann eine Welle, zu der auch die legendären Sartana- B-Movies zählten, deren Held Sartana inmitten der erwähnten, westerntypischen Sinneseindrücke agierte, inklusive Gold, Geld, Glücksspiel, diverser Leichen und Saloonschönheiten. Der vierte Sartana- Film, Sartana – Noch warm und schon Sand drauf, kam 1971 in die deutschen Kinos und hat offenbar auch Bela B. nachhaltig beeindruckt: Der 54-jährige Sänger und Schlagzeuger spielte jetzt Sartana in einer Hörspielfassung ein, inszeniert für den WDR von Leonard Koppelmann. Mit dabei sind die Stimmen von Oliver Rohrbeck und des wie immer glänzenden Multiakustikkünstlers Stefan Kaminski. Der eigentliche Star dieser Reanimation des etwas verdorrten Genres ist die mittlerweile 80-jährige Synchron-Legende Rainer Brandt, die schon damals mit ihren deutschen Texten der Handlung Leben einhauchte. Wenn man Brandts Stimme wiederhört, die sandig wie die Sierra Madre ist ("Bist du taub am Löffel?", "Es ist Zeit für dich, sich zu subtrahieren"), dann scheint die Phase der neunziger und nuller Jahre, in der man über solche Retroscherze die Augen rollte, doch schon wieder vorbei. Brandt hat seine Sprücheklopferei einfach zu gut gemacht, zumal in jenen Rollen, die heute andere Sprecher übernehmen.

Lassen wir die nebensächliche Handlung beiseite, heben wir die grandiose Rolle des Chinesen Lee Tse Tung hervor, ebenso die Musik der Band Smokestack Lightnin’, bemäkeln wir die krampfigen Making-of-Dialoge, deren Ton ein Hauch von Bourbon fehlt, und weisen wir schließlich auf die Live-Tour hin, mit der diese Hörspieltruppe gerade deutsche Säle in heitere B-Movie-Spelunken verwandelt. Schon Brandts Sartana wusste es: "Das Schwein trügt."

Sartana - noch warm und schon Sand drauf. Hörspiel; Der Hörverlag, München 2016; 2 CDs, Laufzeit 92 Minuten; 16,99 €