Es geht hier nicht um kosmetisch-chirurgische Veränderungen à la Spock. Der Leser möchte wissen, ob das Ohr sich auf einen bestimmten Klang konzentrieren und ihn aus einem diffusen Lärmhintergrund herausfiltern kann.

Das klingt zunächst nicht sehr plausibel. Während wir mit den Augen bestimmte Dinge anschauen und sie auch fokussieren können, scheint unser Hörsinn ungerichtet zu sein. Alle Tonsignale, die aus unterschiedlichen Richtungen unser Trommelfell erreichen, summieren sich zu einer einzigen Schallkurve, die diese Membran vibrieren lässt.

Aber unser Gehirn findet in diesem eindimensionalen Signal allerlei Muster. Wir können verschiedene Schallquellen voneinander isolieren, etwa die Piccoloflöte aus dem Gesamtklang eines Orchesters heraushören. Und tatsächlich kann unser Gehirn auf einzelne Schallquellen fokussieren und die Umgebungsgeräusche weniger beachten.

In der Wissenschaft ist dieses Phänomen unter dem Namen "Cocktailparty-Effekt" bekannt. Wenn auf einer Party die Menschen sich in Grüppchen unterhalten, dann füllt eine vielstimmige Kakofonie den Raum. Trotzdem sind wir in der Lage, uns auf die Gesprächspartner zu konzentrieren, mit denen wir gerade zusammenstehen. Strengen wir uns an, können wir sogar ein Gespräch belauschen, das in einer anderen Ecke des Raumes stattfindet.

Wie das Gehirn das macht, ist nicht klar. Es hat damit zu tun, dass wir zwei Ohren haben. Die Schallsignale erreichen die beiden Ohren zu minimal unterschiedlichen Zeiten. Aus diesem Laufzeitunterschied können wir die Position der Schallquelle erschließen. Hören wir eine Aufnahme derselben Situation, die mit einem einzigen Mikrofon gemacht wurde, fehlt die räumliche Information. Wir nehmen die Stimmen als Klangbrei wahr. Bisher ist es nicht gelungen, diese Fähigkeit des Gehörs technisch mit Stereoaufnahmen zu reproduzieren.

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