Es reicht! Seit seiner Existenz als Teil der Bundesrepublik Deutschland, seit dem 1. Januar 1957, hat das Saarland ein viel belächeltes Dasein gefristet. Als Heimat vermeintlicher Saar-Franzosen, als mediale Vergleichsgröße für abgebrannte Wälder ("dreimal so groß wie das Saarland"), atomverseuchte Sperrgebiete ("doppelt so groß wie das Saarland"), todbringende Ölteppiche ("so groß wie das Saarland") – und zuletzt als großes Witzobjekt eines kleinen Bremers, Jan Böhmermann ("halb so lustig wie Heinz Becker"). Zum 60. Jahrestag der Rückkehr ins Reich kann sich ein heimatvertriebener Saarländer eigentlich nur eins wünschen: Make the Saarland great again!

Bloß wie?

Man könnte zum Beispiel die berühmtesten Saarländer für ihre Heimat werben lassen. Allerdings ist Max Ophüls genauso tot wie Erich Honecker, nur länger. Bei Oskar Lafontaine hört man eigentlich lieber weg als hin, bei Peter Hartz verstehen die Leute eh nur Sozialabbau, bei Elisabeth von Lothringen nur ... Hä? Und wenn "’s Nicole" (im Saarländischen sind Frauen Sachen) singt, denkt der globalisierte Saarländer von heute: Ein bisschen Frieden mag ja 1982 für den Grand-Prix-Sieg in Harrogate (rund 93-mal so englisch wie das Saarland) gereicht haben. Für die Welt im Jahr 2016 ist Ein bisschen Frieden ein bisschen wenig.

Und wenn sich das Saarland an Donald Trump orientierte, um great again zu werden? Nun, dann müssten die Saarländer eine Mauer bauen, die den unterentwickelten Nachbarn ausschließt, Minderheiten grundlos beschimpfen und Exoten in fernen Gefilden für alles verantwortlich machen, was zu Hause nicht funktioniert – das würde dann dreimal die Pfälzer treffen. Da aber die Pfälzer viermal so laut jammern wie die Saarländer, käme dabei nicht viel mehr raus als Ruhestörung in Homburg und Kirkel.

Nein, das Saarland soll so bleiben, wie es ist – und SAARVOIR VIVRE weiterhin großschreiben. Wer nach der Devise lebt: "Drei Bier sinn ach e Mahlzeit, awwer do hasch de noch nix debei getrunk", der muss nicht wieder großartig werden. Der ist es längst. Leave the Saarland as it is! Oder wie der Saarländer sagt: Ei jo.