Ausgerechnet jetzt, wo deutlich wird, dass unsere Probleme erstens komplex und zweitens global sind, scheinen jene Kräfte die Oberhand zu gewinnen, deren Antworten erstens simpel und zweitens national sind.

Die Populisten profitieren vom flauen Gefühl im Magen der Menschen in einer sich rasch wandelnden Welt. Einer Welt, in der die Politik vieles nicht mehr unter Kontrolle zu haben scheint. Wir können die Komplexität der Welt nicht dadurch reduzieren, dass wir sie ignorieren. Wenn aber die Politik Ernsthaftigkeit demonstriert in ihren Antworten und echte Wirkungen zum Maßstab macht, dann entsteht auch wieder Vertrauen in die Lösungsfähigkeit des Staates.

Ohne dieses Vertrauen wird die große ökologische Transformation nicht möglich sein, die in diesem Jahrhundert unvermeidlich ist.

So sehe ich die Ausgangslage: Die Verbrennung fossiler Energieträger hat die Treibhausgase in der Atmosphäre auf ein beispielloses Niveau getrieben. Wir nähern uns beim Klima gefährlichen Kipp-Punkten, die, einmal überschritten, zu abrupten und unumkehrbaren Veränderungen im Erdsystem führen können. Das macht die Herausforderung so einzigartig: Mit dem Klima kann man um keinen Aufschub verhandeln.

Die Dekarbonisierung des Wirtschaftsmodells der Industriestaaten wäre als Aufgabe ja schon schwer genug. Wir müssen aber gleichzeitig massives Wirtschaftswachstum in den armen Ländern ermöglichen – dort werden Krankenhäuser und Schulen und Straßen und Energienetze und Dienstleistungen und Industriebetriebe gebraucht, um den Menschen Bildung, Arbeit, Einkommen zu geben, also die Perspektive auf ein Leben in Würde.

Von welcher materiellen Substanz aber soll sich dieses Wachstum nähren, wo wir schon jetzt an die ökologischen Grenzen des Planeten stoßen?

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 52 vom 15.12.2016.

Es gibt nur eine Möglichkeit: Wenn wir die extreme Armut beenden wollen und wenn wir dabei den Planeten nicht zerstören wollen, dann muss die Transformation zuallererst bei uns in den Industrieländern beginnen. Sie muss verändern, wie wir Energie produzieren und verbrauchen, wie wir uns fortbewegen, wie wir uns ernähren.

Aus der Welt der internationalen Politik sind wir ja in diesen Zeiten fast nur schlechte Nachrichten gewohnt. Da sollten wir uns nicht schämen, an den wenigen guten Nachrichten unsere Hoffnung zu wärmen. Letztes Jahr gab es zwei solcher Hoffnungsfeuer: Ich spreche von der Agenda 2030 für Nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen und dem Pariser Klimavertrag.

Bei der Klimakonferenz in Marrakesch im November war die Bundesrepublik eines von nur vier Ländern, die überhaupt einen halbwegs konkreten Zeitplan hinterlegt haben, wie die Klimaziele bis zum Jahr 2050 erreicht werden sollen. Das will ich nicht kleinreden. Ich will auch nicht kleinreden, dass das Bundeskabinett in Kürze eine komplett überarbeitete Nachhaltigkeitsstrategie verabschieden wird, die sich zu allen 17 Zielen für nachhaltige Entwicklung der UN positioniert. Das ist mehr, als wir je hatten.

Aber ist es auch genug? Zwei Beispiele haben mich in letzter Zeit nachdenklich gemacht.