Manche Menschen haben ja eher ein Erscheinungsjahr als ein tatsächliches Geburtsdatum. Franz Beckenbauer zum Beispiel, Peter Sloterdijk oder Hartmut Mehdorn. Und – jetzt dickes Sorry nach oben, ihr wisst schon – der Papst. Franziskus wird an diesem Samstag 80 Jahre alt. Da wünschen wir ihm einen sonnengesalbten Tag, der für ihn wie immer um kurz vor fünf morgens beginnt, wenn er sich gleich das neueste Wort Gottes aus der Cloud runterlädt.

Als begeisterte Leser des Papst-Fanzines Mein Papst wissen wir das selbstverständlich, so wie wir aus unserer Lieblingsillustrierten davon Kenntnis haben, dass Franziskus im gelben Regencape tropischen Stürmen trotzt und grundsätzlich die Menschen noch mehr bezaubert als ein Spaziergang am Tiber, wo "gemütliche Pizzerien zum Verweilen einladen".

Nun haben wir keine Ahnung, wie ein Papst seinen Geburtstag tatsächlich feiert. Poliert die Schweizergarde mit dem Turiner Grabtuch vorher das Silber? Fiele manchem aus der Synode nicht noch was passionsmäßig Lustiges ein? Ein Fetenordinarium aus Piñata, Lammkoteletts mit Pfannengemüse (Rezept in Mein Papst Nr. 1, antiquarisch erhältlich), Schaumparty, anschließend Kinobesuch vom neuen Dan Brown? Oder herrscht gar trübe Stimmung? In vergangener Zeit war nämlich immer wieder davon zu lesen, dass Papst Franziskus selbst unter Glaubensbrüdern und Glaubensschwestern in der Kritik stehde und er, Gottes Pressesprecher, seinen eigenen Pressesprecher unentwegt in Bedrängnis bringe. Zum Beispiel mit Sätzen wie: "Der große Feind der Ehe ist die Gender-Theorie. Es gibt heute einen Weltkrieg, um die Ehe zu zerstören." Oder zu katholischen Kopulationsgewohnheiten: "Gute Katholiken müssen sich nicht wie die Karnickel vermehren", wogegen selbst evangelische Kaninchenzüchter auf die Drahtzäune stiegen.

Wir erinnern uns an Punchlines wie "Wer meine Mutter beleidigt, bekommt eins auf die Nase" (Franziskus nach den Anschlägen auf Charlie Hebdo) oder an die päpstliche Empfehlung, man solle seine Kinder nicht demütigen, sondern mit Würde schlagen.

Und, natürlich, an seine neueste Verlautbarung. Dass nämlich Medien zu Koprophilie neigten, dem sexuellen Interesse an Kot, und Medienkonsumenten zu Koprophagie, dem Interesse am Verzehr von Kot.

Vielleicht ist angesichts solcher Sätze eine Feier mit Papst Franziskus eher wie eines jener Familienfeste, zu denen einen der wunderliche Großonkel eingeladen hat. Und man konnte nicht glaubhaft genug versichern, dass man sich gerade auf Dienstreise in der Wüste Gobi befinde. Also steht man nun vor der Tür.

Es riecht nach Hustensaft, und er guckt vorwurfsvoll die Raufasertapete an, die möglicherweise ängstlich wegguckt. Zur Begrüßung fragt er die Dame, die man ja zur Verstärkung mitgebracht hat, ob sie "schon wieder zugelegt" habe. Alles könnte ja so schön sein.

Draußen scheint der Mond, das Essen dampft auf dem Tisch, die Einfahrt steht voller fröhlicher Volvos, und der Onkel zupft seine Strickjacke zurecht und sagt: Es ist so schwer, überhaupt noch Parkplätze zu bekommen! Und das nennt ihr eine Torte? War die früher nicht mal höher? Jede Festtagsstimmung, jeder Feierwille hat sich gelegt. Aus Fröhlichkeit wird Betretenheit, aus Gästen werden Zeugen, aus "Wie schön, dass wir alle da sind" ein "Oh, mein Zug fährt in einer halben Stunde", und wie doch die Zeit vergeht, wenn man sich amüsiert.

All das wünschen wir Papst Franziskus natürlich nicht, sondern ein rauschendes Fest, einen heiteren Geburtstag, ein Hochsollerleben, ein Gottseibeiuns und was es sonst noch an eminenten Gratulationen gibt, die wir auf keinen Fall zurückhalten wollen, da sind wir nämlich nicht knickerig. Wir nicht, wo kämen wir denn sonst hin. In den Himmel jedenfalls nicht.