Es war wahnsinnig ironisch, was Serdar Somuncu neulich in der Wirtschaftswoche ankündigte: Als Bundeskanzler wolle er veganes Leben ächten und die Homosexuellen-Ehe für alle verpflichtend einführen. Somuncu ist Kabarettist – und neuerdings Kanzlerkandidat der Satirepartei "Die Partei". Schon immer war die Mischung aus Satire und Politik explosiv – wenn sie gut gemacht war. Doch mit seiner Kandidatur geht Somuncu viel weiter als die meisten Kabarettisten: Er prangert das politische System nicht nur an, er wird Teil davon. Man kann einwenden, dass er der Politik damit schadet. Dass er damit ihre Würde, ihre Ernsthaftigkeit angreift. Schließlich heißt es über die Satire oft, dass sie zwar wichtig ist; dass sie ihren Gegenstand aber auch der Lächerlichkeit preisgibt, dass sie manchmal zynisch ist und nicht konstruktiv. Somuncu weiß, wie es seinem Parteikollegen Martin Sonneborn ergangen ist. Der sitzt im Europäischen Parlament. Im April hielt er eine Rede zu Erdoğan. Sie war überdreht. Gleichzeitig war sie aber auch viel politischer als manche andere Rede zu dem Thema. Dieser Umstand war tragisch und sehr ironisch. Auch Somuncu witzelte in seiner Antrittserklärung herum. Aber er plädierte auch für Toleranz, für Vielfalt. Die Lüge als Wahrheit zu tarnen, das dürfe den Extremisten in Deutschland nicht überlassen werden, schrieb er. Das war nicht lustig, das war politisch.