Manche Menschen widmen ihr Leben einem einzigen Traum. Nehmen geduldig Entbehrungen oder Leiden in Kauf und gehen am Ende endlich als Gewinner hervor. Mag sein, bei ihr war es das Vorbild der starken Mutter, die sie lehrte, schlimmste Verluste auszuhalten. Gerade zweijährig, verlor sie den Vater; fünf Jahre später verunglückte der geliebte Bruder tödlich. Und viel später – als Mutter zweier Söhne im Teenageralter – erlebte sie erneut den endgültigen Abschied von Mann und Kindern.

Sie hätte zu dieser Zeit auch einfach bleiben können in ihrem schönen Leben; aber das wäre ihr als Verrat erschienen an allen, die Hoffnung in sie setzten, und wohl auch am geistigen Erbe des Vaters. Ob sie damals wusste, wie hoch der Preis sein würde, den sie letztlich zahlen musste?

Wiederum Jahre später konnte sie den letzten Wunsch ihres krebskranken Mannes nicht erfüllen, der sich gewünscht hatte, sie noch ein einziges Mal zu sehen – sie blieb fern aus Angst, ihre Mission zu gefährden. Umso erstaunlicher, was sie in einem Interview sagte: "Was immer ich getan habe, habe ich aus eigenem, freiem Willen getan. Es war meine Wahl. Und ich hatte immer die Wahl, die Dinge zu tun, die ich wollte."

Heute, viele Jahre später, wirkt sie nach wie vor so aufrecht, klar und immer noch fast mädchenhaft wie seit je, obwohl sie längst Großmutter ist. Aber das ist eine Rolle, für die sie keine Zeit hat – weil ihr der Traum, dem sie sich verschrieb und der nun endlich Gestalt annehmen kann und darf, nach wie vor wichtiger erscheint als ein privates Glück. Wer ist’s?

Lösung aus Nr. 51:

"Ich kann nur Englisch und Körper", behauptete Mae West (1893 bis 1980). Der Vaudeville-Star auf New Yorker Bühnen schrieb Stücke wie "Sex" und "Drag". 1932 ging sie für elf Jahre nach Hollywood, ihre Filme wurden zwar stark zensiert, waren aber Kassenschlager