Jetzt kommt sie, die Weihnachtszeit. Mit Besuch von Verwandten und all jenen, die sich zum Jahresausklang drei Tage Hamburg gönnen, inklusive Elbphilharmonie-Plaza, Glühwein, Hotel und Flug. Das böse Erwachen kommt dann, wenn die Gäste, glücklich gelandet am Hauptbahnhof oder Airport, sich in ein Taxi setzen und eine Adresse nennen – und wenn diese zu sehr "in der Nähe" liegt. Was "in der Nähe" heißt, das liegt im subjektiven Ermessen des Taxifahrers. Der sich, wenn es dumm läuft, dann umdreht und sagt: "Sorry, das können Sie laufen, das lohnt nicht!" Es kann auch sein, dass er aufs "Sorry" verzichtet oder seine Ansage überhaupt stark verkürzt.

Tragisch wird das dann, wenn die Hamburg-Ankömmlinge eher schüchtern und/oder fremdsprachig sind. Und erst Stunden später, durchnässt von Schweiß und Regen, mit ihrem schweren Rollkoffer ihr Hotel erreichen, das zwar luftlinienmäßig nah dem Flughafen oder Bahnhof liegt, aber für Ortsunkundige dennoch nicht leicht zu finden ist. Das spielt keine große Rolle mehr: Dank eines grippalen Infekts werden die Hamburg-Besucher ihre Unterkunft während ihres Aufenthalts ohnehin nicht mehr verlassen.

Aber vielleicht wäre es gar nicht so weit gekommen, hätten sie ein, zugegeben sehr deutsches, Wort ins Spiel gebracht: "Beförderungspflicht". Die, stellt Claus Hönig klar, Pressesprecher von Hansa-Taxi 211 211, "besteht grundsätzlich – der Taxifahrer muss also auch ohne Murren kürzere Strecken fahren".

Chauffeure, die das trotzdem nicht wollen, sagt Susanne Meinecke von der Wirtschaftsbehörde, "gibt es immer noch", aber der Trend bei diesen schwarzen Schafen des Taxigewerbes sei "ganz klar rückläufig": Gab es 2013 noch 75 Anzeigen wegen Beförderungsverweigerung, waren es 2016 (bis jetzt) erst 49.

Das liege vor allem daran, dass die Stadt bei den Genehmigungen auf die professionellen Betreiber gesetzt habe, erläutert Meinecke, die Anzahl der Taxen sei von über 4000 auf 3150 Stück gesunken, "die schlimmsten Unternehmer sind weg, was sich auch auf die Fahrerschaft auswirkt: Der Fisch stinkt bekanntlich vom Kopf."

Wer trotzdem noch auf einen renitenten Fahrer trifft, kann ihn beim Flughafen oder der Wirtschaftsbehörde melden (E-Mail: taxenstelle@bwvi.hamburg.de); ihm drohen Bußgelder. Oder man bestellt sich bei Hansa-Taxi, dem Autoruf / Taxi Hamburg, den kleinen Vorortzentralen oder bei mytaxi gleich ein Taxi zum Flughafen oder Bahnhof. Das lässt einen garantiert nicht im Regen stehen.