Dieses Jahr nicht. Die Fotografin Katharina Poblotzki hat junge New Yorker porträtiert und aufgeschrieben, warum sie keine Lust auf Weihnachten haben – weil ihre Eltern Trump wählten.

Ben: Alle in meiner Familie unterstützen Donald Trump, außer mir. Meine Schwester habe ich auf Facebook mit einer "Make America Great Again!"- Baseballkappe gesehen. Seit der Wahl habe ich mit meinen Eltern noch nicht gesprochen, erst vor ein paar Tagen habe ich zum ersten Mal mit meiner Mutter SMS geschrieben.

Ich kann noch nicht wieder zur Normalität übergehen, Weihnachten werde ich dieses Jahr deswegen nicht mit meiner Familie feiern. Ich habe das Geld, das ich für einen Flug nach Ohio ausgegeben hätte, an eine Non-Profit-Organisation gespendet, die Schwangerschaftsabbrüche für einkommensschwache Frauen anbietet. Ich wollte es an die Leute weitergeben, die am meisten von Trump bedroht sind, nicht zuletzt durch die Stimme meiner Eltern. Ich liebe meine Familie, aber ich verabscheue sie gleichzeitig auch für ihre Unterstützung für Donald Trump.

Kaitlyn Mikayla, 24, Fotografin, kommt aus Michigan

Kaitlyn: Meine Familie ist gespalten. Mein Vater läuft mit Trump-T-Shirt durchs Haus, meine Mutter ist bekennende Feministin. Meine Zwillingsgeschwister sind 18 Jahre alt und haben zum ersten Mal gewählt – mein Bruder hat für Trump gestimmt, meine Schwester für Hillary. Die erste Generalprobe für Weihnachten gab es an Thanksgiving. Ich hatte meiner Mutter im Vorfeld gesagt, ich käme nicht, wenn wir nicht bei uns zu Hause eine politikfreie Zone ausriefen. Darauf hat sich meine Familie eingelassen.

Das Thema Trump wurde also vermieden, aber ich habe meine Großmutter sagen hören, dass sie es nicht erwarten könne, bis Trump America great again mache. Das war hart. Dass es an Weihnachten dann nicht mehr lange dauern wird, bis Trump tatsächlich im Amt ist, bereitet mir deshalb doppeltes Unbehagen. Ich werde mir den Besuch bei meinen Eltern sparen und feiere lieber mit der liberalen Familie meines Freundes.

Naima Fine Iles, 30, Therapeutin in der Jugendarbeit, New York

Naima: Meine Familie ist nicht generell pro Trump, aber verhält sich in Bezug auf die aktuelle politische Entwicklung apathisch und desillusioniert. Das letzte Thanksgiving war schon ein sehr schwieriges Familienfest für mich. Die Familie meines Vaters ist weiß, da bin ich die einzige Schwarze.

Mein Cousin ist ein überzeugter Republikaner. Es bricht mir das Herz, dass wir zusammen aufgewachsen sind, er aber der festen Überzeugung ist, dass sich die Situation für Schwarze unter Trump nicht wesentlich ändern wird. Für mich ist die Wahl Trumps ein Schlag ins Gesicht und stinkt nach Privilegierung von Weißen. Ich versuche, meinem Cousin die Auswirkungen auf den Rassismus in diesem Land zu erklären, aber er verschließt die Augen. Das wird ein fortwährender Konflikt bleiben. Nicht nur an Weihnachten.