Es dauerte ein paar Tage, bis ihnen bewusst wurde, wie außerordentlich dieser Erfolg war. "Erst als uns UN-Generalsekretär Ban Ki Moon erzählte, wie sehr diese Wahl weltweit beachtet worden war, wurde mir klar, wie groß das ist", sagt Lothar Lockl, und Martin Radjaby nickt neben ihm. Die beiden sind die Architekten der Hofburgüberraschung, sie konzipierten die Kampagne von Alexander Van der Bellen und gewannen eine Wahlschlacht, die zu gewinnen nicht nur einmal aussichtslos schien.

Lothar Lockl und Martin Radjaby sind ein ungleiches Paar. Lockl, 48, groß gewachsen, gut aussehend, kommt aus dem natürlichen Nachwuchsreservoir der Grünen: Ende der neunziger Jahre wurde der Umweltaktivist von Global 2000 zur Partei geholt, um deren Kampagnen zu professionalisieren. "Der schöne Lollo", nannten viele den Politikwissenschaftler. Er war ein Ruhepol, eckte nicht an und hat bis heute, sieben Jahre nachdem er die Partei verließ und eine eigene Beratungsfirma gründete, fast nur Freunde bei den Grünen.

Martin Radjaby, 40, ist das Gegenteil. Er stieß 2011 vom Radiosender Ö3 zu den Grünen und stellte dort das Marketing auf den Kopf. Er war der Mastermind hinter verhöhnten Wahlslogans à la "Bio macht schön". Plötzlich ging es um schmissige Sprüche auf Plakaten und um ein modisches Corporate Design. Viele Funktionäre der Partei verachten ihn deshalb bis heute, obwohl der quirlige Macher seit einem Jahr den Österreich-Ableger der Hamburger Werbeagentur Jung von Matt leitet.

Wahlkampfleiter Lockl war der Wunsch Van der Bellens. Die beiden waren schon bei den Grünen ein eingeschworenes Duo. Und Martin Radjaby hatte versprochen: Sollte Van der Bellen als Bundespräsident kandidieren, käme er mit an Bord. Dass das Duo Lockl und Radjaby harmonieren würden, konnten viele nicht glauben. Mittlerweile treten die zwei wie Zwillinge auf, aus der lockeren Bekanntschaft vor der Wahl wurde Freundschaft. Wenn sie sich treffen, begrüßen sie sich mit fist bump, Umarmung, Bussi links, Bussi rechts.

Fast ein Jahr lang waren die beiden Wiener die Schatten Van der Bellens. Sie wussten, dass die FPÖ in allem überlegen war: größere Partei, höheres Budget und eine wahlkampfgestählte Mannschaft. Sie waren Außenseiter, viele gaben ihnen keine Chance. "Proeuropäisch" müsse der Wahlkampf sein, lautete die Vorgabe des Kandidaten. Eine Bedingung, die in der aufgeheizten Stimmung an ein Himmelfahrtskommando erinnerte. Flüchtlinge strömten durch das Land, eine hilflose und zerstrittene EU wurde für ihr Versagen gescholten. "Rein nach den Daten hätte man das nicht machen dürfen, doch Van der Bellen wollte es so", sagt Radjaby. Auch Lockl war mäßig begeistert: "Ich hatte Zweifel, dass das funktionieren kann."

Schon im Sommer 2015 war Radjaby mit Van der Bellen und einem Fotografen ins Kaunertal gereist. Der frühere Grünen-Chef hatte sich zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht zur Kandidatur entschieden, doch Radjaby wollte gerüstet sein. "Ich sagte ihm, er solle mir zeigen, wo er herkommt, und im schlimmsten Fall haben wir ein nettes Wochenende." Bei dem Ausflug entstanden die ersten Fotos in der Natur, die später zur Grundlage der Heimaterzählung wurden.