Petra Bahr leitet die Abteilung Politik und Beratung der Konrad-Adenauer-Stiftung. In ihrer Kolumne geht sie der großen Politik im Alltag auf den Grund. © Kulturrat der EKD

Es gibt ein altes Wort für teuflische Kräfte. Diabolos: Durcheinanderbringer, Chaosverstärker, Destabilisierer. Teuflische Kräfte sind auch auf die westlichen Demokratien losgelassen worden. Dass diese Gesellschaften so anfällig für sie sind, hängt an einer anspruchsvollen Unterstellung: Alle Menschen sind frei und gleich. Das bedeutet, dass sie auch in der Lage sein sollten, sich selbst ein Urteil über die Welt zu bilden. Sie müssen nicht permanent durch Autoritäten belehrt, gegängelt oder gar geknechtet werden. Willensbildung, Meinungsstärke und Urteilskraft bringen sie selbst mit.

Menschen haben starke Affekte, sie lassen sich von ihnen aber nicht beherrschen. Ist dieses Bild vom Menschen falsch? Es kommt als dreifaches Erbe aus den Quellen der Bibel, der abendländischen Philosophie und dem römischen Recht. Lassen wir uns so schnell blenden, in die Irre führen oder für dumm verkaufen? Wollen wir uns von Trollen und ferngesteuerten Computern in die Köpfe regieren lassen? In Russland, in China und in anderen Regionen dieser Welt klopfen sich mächtige Männergruppen auf die Schenkel. Sie halten dieses Menschenbild für naiv und schwach. Ihre jüngsten Erfolge scheinen ihnen recht zu geben – und uns ins Unrecht zu setzen. Leichtgläubig, lethargisch, aufs Gestern bezogen, und wenn es niveauvoll aussehen soll, wird es melancholisch und kulturkritisch. So gibt sich der Westen. Als wäre er schon untergegangen. Und dann gibt es noch die, die denken, einfach weiter so, wird schon werden. Der Teufel braucht keinen Dreizack, um zu tanzen.

Wir haben es in der Hand. Wir lassen uns nicht von Zynikern auf der Nase herumtanzen. Zeigen wir ihnen doch eine lange Nase. Langsam wissen wir ja genug. Wir können auch anders: auf Wahrheitssuche sein, hart streiten, ohne die Würde des Gegenübers in den Dreck zu ziehen, Klartext reden, und immer wieder genau nachfragen: Woher weiß ich das? Am Ende können nur wir selbst unsere Grundeinstellungen verraten. Oder uns darin bestärken, dass wir uns nicht länger durcheinanderbringen lassen sollten.