Es geschieht nicht oft, dass gleichzeitig drei Museen für drei sehr ähnliche Sammlungen errichtet werden. Eigentlich geschieht es nie, doch das bevorstehende Jubiläum der Bauhaus-Gründung macht es möglich: In Weimar wurde kürzlich der Grundstein gelegt, in Dessau und in Berlin mit seiner weltweit führenden Sammlung zum Thema sind wenigstens die Wettbewerbe abgeschlossen. Fertig wird wohl bis zum Feierjahr 2019 nur der Neubau in Thüringen werden, zuletzt kommen die Berliner dran. Aber das entspricht ja auch dem Verlauf der Bauhaus-Geschichte mit ihren Stationen in Weimar, dann in Dessau und dem kurzen Nachspiel in Berlin bis zur Schließung nach der Machtübergabe an Hitler.

Möglich ist dies umfangreiche Bauprogramm vor allem dank 2008 vom Bund zugesagter Sondermittel, aus denen die Kosten zur Hälfte finanziert werden, in Weimar und Dessau sind das geschätzt je 25 Millionen Euro, in Berlin 56,2 Millionen Euro. Aus der Perspektive des Bundes fördern diese Neubauten das internationale Ansehen Deutschlands, zeigen es als jenes Land, aus dem neben Russland, den Niederlanden und Frankreich die zentralen Entwicklungen der klassischen Moderne der 1920er Jahre kamen. Außerdem wird föderaler Ausgleich demonstriert: Die Gefahr einer Berliner Dominanz im Bauhaus-Erinnern ist wenigstens vorläufig gebannt.

Die Landespolitiker dagegen schauen vor allem auf das touristische Versprechen, das mit dem Begriff Bauhaus inzwischen verbunden ist. Deswegen wurden in Weimar alle Anregungen verworfen, das Bauhaus-Museum in den bald frei werdenden Gebäuden des direkt benachbarten Gauforums aus der Nazizeit unterzubringen und damit auch auf die Linien zu verweisen, die aus der klassischen Moderne in die Diktatur führten. Die Stadt will stattdessen ihr Schönheitsportefeuille erweitern, über die Klassikerverehrung hinaus. Nur lokalhistorisch sehr vorgebildete Fachleute dürften künftig auch erkennen, dass die Hangkante, an der das neue Museum entsteht, ein Resultat jener Landaufschüttungen ist, die für die Anlage des Gauforums nötig waren.

Entworfen wurde der Neubau von den Berliner Architekten Heike Hanada und Benedict Tonon, kastenförmig und nach außen hin weitgehend verschlossen mit einer bedruckten Glashaut, die durch LED-Leuchten sanft streifig schimmern soll. Allenfalls die vielen Treppen, die die Ausstellungssäle – tresorartig nach außen hin abgeschlossen – gliedern, werden daran erinnern, dass hier vor allem die frühe, expressionistisch geprägte Phase des Bauhauses zu erleben sein wird. Die einstige Sächsische Kunstschule und die Kunstgewerbeschule, deren Vereinigung 1919 das Bauhaus begründete, befinden sich übrigens an ganz anderen Ecken der Stadt. Auch das gehört zu einem Konzept, in dem weit mehr über Parkplätze als über historisch-räumliche Zusammenhänge debattiert wurde, in die man das neue Museum hätte stellen können.

Ganz ähnlich sieht es in Dessau aus. Der ideale Ort für die Präsentation der Dessauer Bauhaus-Sammlungen wäre hier das Schulgebäude des Bauhauses selbst, dieses einzigartige Monument der Licht-Luft-Sonne-Moderne. Doch der Bau ist zu fragil, um ihn für Ausstellungszwecke umzubauen. Statt nun nahebei zu bauen, soll nach den Plänen des spanischen Büros González Hinz Zabala am Rand eines Innenstadtparks das neue Bauhaus-Museum entstehen. Durchgesetzt wurde dieser Standort gegen den einhelligen Rat der Museumsfachleute 2014 vom damaligen Kultusminister Sachsen-Anhalts Stephan Dorgerloh und von der Stadt Dessau. Sie hoffen offenbar, mit dem Neubau viele Touristen auch in die "City" zu ziehen und dort zum Konsumieren zu verleiten. Um seine Entscheidung durchzusetzen, entließ Dorgerloh sogar den unbotmäßigen Direktor der Bauhaus-Stiftung Philipp Oswalt, dessen Nachfolgerin Claudia Perren sich vor Amtsantritt verpflichten musste, das Ministerwort umzusetzen. Immerhin konnte sich Dorgerloh nicht mit seiner Präferenz für einen zipfelig-modischen Entwurf durchsetzen. Die viel strengeren Pläne von González Hinz Zabala versuchen dagegen wenigstens, das Museum auch als Teil der Stadtgesellschaft zu bauen.

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 53 vom 21.12.2016.

Das Obergeschoss wird zwar eine nach außen balkenartig geschlossene große Halle mit eher konventionellen Ausstellungsbedingungen. Aber zwischen den gewaltigen Stützen, auf denen sie ruht, werden sich im Erdgeschoss das Café und Veranstaltungsräume befinden.

Die Architekten und Claudia Perren hoffen, dass die Stadtbürger Dessaus dem Museum damit jene gesellschaftliche Bodenhaftung verschaffen, die das Berliner Bauhaus-Archiv längst hat. Dieses wird endlich – nach fast zwei Jahrzehnten des Hin und Hers – den von Walter Gropius entworfenen Altbau erweitern, geplant vom Berliner Architekten Volker Staab. Er verlegt die Ausstellungsräume raffiniert in den flach ansteigenden Hang hin zum Landwehrkanal. Über ihnen erhebt sich ein schlanker Turm, der als Signalgeber und für didaktische Arbeit gedacht ist, während ein neuer Museumshof zum Gropius-Bau vermittelt. Der ist künftig ganz der wissenschaftlichen Arbeit und größeren öffentlichen Veranstaltungen zugedacht – dafür kann nun endlich auch der von empfindlichen Objekten befreite große Ausstellungssaal wieder mit offenen Fenstern erlebt werden.