Im 12. Stock der Elbphilharmonie kommt Karin von Welck, 69, aus dem Schwärmen nicht mehr heraus. 2010, bei ihrem letzten Besuch, war dieser Ort ein Krisenherd kurz vor dem Baustopp und Karin von Welck am Ende ihrer Kräfte. Die promovierte Ethnologin hatte als Museumsdirektorin und als Generalsekretärin der Kulturstiftung der Länder gearbeitet, ehe Ole von Beust sie 2004 für seine zweite Amtszeit als parteilose Kultursenatorin nach Hamburg holte. Sechs Jahre lang war von Welck für den Bau der Elbphilharmonie mitverantwortlich und musste immer neue Pannen und Verzögerungen verkünden. Heute arbeitet sie als Domherrin der Vereinigten Domstifter in Sachsen-Anhalt und kehrt für dieses Interview erstmals zur Elbphilharmonie zurück. Zeit für etwas Freude.

DIE ZEIT: Frau von Welck, wir haben Ihnen Sekt mitgebracht. Sie sagten 2006, dass Sie 2008 auf der Plaza der Elbphilharmonie anstoßen wollen.

Karin von Welck: Das war ein schöner Plan.

ZEIT: Was für ein Gefühl ist es, heute hier zu sein?

Von Welck: Es ist unglaublich. Ich wohne nicht mehr in Hamburg. Heute habe ich hier ein paar Besorgungen gemacht. Dabei wurde ich sofort auf die Elbphilharmonie angesprochen: "Ist das nicht toll, dass sie jetzt fertig ist?" Das ist beglückend.

ZEIT: Sie wurden in der Stadt erkannt?

Von Welck: Ja. Danach hat mir der Generalintendant Christoph Lieben-Seutter das fertige Gebäude gezeigt. Es war herrlich. Ich musste daran denken, was ich hier miterlebt habe. Wie habe ich auf der Baustelle gefroren. Jetzt ist alles fertig. Toll!

ZEIT: Erinnern Sie sich noch, wann Sie das erste Mal von der Elbphilharmonie gehört haben?

Von Welck: Das war lange, bevor ich Kultursenatorin wurde. Ich habe Herrn von Beust damals besucht und wartete im Vorzimmer, als ein Mann aus dem Büro kam, erschöpft in einen Sessel sank und sagte: "Ich habe dem Bürgermeister eben ein Projekt vorgestellt, und er fand es wunderbar." Als ich hineinging, sagte Ole von Beust: "Frau von Welck, bevor wir uns unterhalten: Ich habe eben ein so geniales Projekt für Hamburg vorgestellt bekommen! Das muss einfach was werden!"

ZEIT: Wer war der Mann?

Von Welck: Später haben wir rekonstruiert, dass dies das Gespräch war, in dem Alexander Gérard, der Erfinder der Elbphilharmonie, den Bürgermeister gewonnen hat, sich für diesen Bau einzusetzen. Da ist der Funke übergesprungen.

ZEIT: Sie waren von der ersten Minute an dabei.

Von Welck: Damals hatte ich noch nichts damit zu tun. Die Elbphilharmonie war die Initiative einzelner Bürger, es waren nicht Politiker, die sich das ausgedacht hatten. Alexander Gérard und seiner Frau Jana Marko muss man ein großes Kompliment machen. Sie haben strategisch viel geleistet. Am Anfang herrschte große Begeisterung.

ZEIT: Hatte diese Euphorie auch etwas damit zu tun, dass es anfangs noch hieß, es würden keinerlei Steuergelder zum Einsatz kommen?

Von Welck: Das hat sich relativ schnell als unrealistisch herausgestellt. Ich denke auch, dass Alexander Gérard eingesehen hat, dass er sich mit diesem Versprechen verschätzt hatte. In der Rückschau war genau das das Problem dieses komplexen Vorhabens: Keiner hat es so richtig durchschaut.