In der Galerie großer Herrscher nimmt er einen Sonderplatz ein. Nicht nur regierte er ungewöhnlich lange und blieb als Feldherr unbesiegt, er kümmerte sich auch um die Förderung der Landwirtschaft und des Handwerks. Und er lehnte die in seiner Kultur übliche Vergöttlichung des Herrschers ab. Hunderte von Botschaften seiner Kanzlei an seine Beamten belegen sein ausgefeiltes Regierungssystem und seine Machtpolitik. Dank geschickt austarierter und wechselnder Bündnisse gelang es ihm, konkurrierende Stadtstaaten in seine Gewalt zu bringen, Eindringlinge zurückzuschlagen und ein Großreich zu gründen.

Ein kluger König ist allemal bemerkenswert, berühmt machte ihn jedoch ein außergewöhnliches Dokument. Auf einer kunstvoll gemeißelten Stele aus hartem schwarzem Stein erscheint er im oberen Teil mit ehrfurchtsvollem Gruß vor dem Thron des göttlichen Richters. Ein Prolog stellt die Legitimation des Königs als Garant der gerechten Ordnung vor und nennt seine Taten. Darauf folgt eine Liste von Rechtssätzen aus allen heute noch üblichen Bereichen: Von der Stellung der Gerichte und der Richter reicht sie über Staatsrecht, Privatrecht und Strafrecht bis zum Recht der Sklaven. Den Schluss bildet ein Lob der Rechtschaffenheit des Königs und eine Verfluchung aller, die dem Recht nicht folgen. Sinn und Zweck der Stele bleiben ungewiss: Ist sie eine Aufzeichnung geltenden Rechts, Reformprogramm, Selbstlob des Königs oder sprachliches Kunstwerk? Oder alles zusammen? Wer war’s?

Lösung Nr. 52:

Die Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi, geb. 1945, kämpfte in ihrer Heimat Birma (Myanmar) für Demokratie. Gut 15 Jahre stand sie unter Hausarrest. In der ersten frei gewählten Regierung ist sie seit März 2016 unter anderem Regierungschefin und Außenministerin