Man nennt es slow burn, die Entdeckung der Langsamkeit in der Komik. Big Business beginnt gewissermaßen in Zeitlupe: Im Auto tuckern Stan und Ollie gemütlich als Weihnachtsbaumverkäufer über die Boulevards von Los Angeles. Bei den ersten, natürlich scheiternden Verkaufsgesprächen präsentiert Ollie die wichtigtuerischen Gesten, die wir alle lieben: den weit ausholend auf sich selbst weisenden Zeigefinger; das scheinbar alles besiegelnde Nicken; das Zur-Tat-Schreiten, indem er Stan einfach beiseiteschiebt. Stan, das ewig zerstreute Sternenkind, folgt mit leerem Blick und bringt das, was gelingen könnte, wieder durcheinander.

Dann das langsame Crescendo: Ein Hausbesitzer weist die beiden ab, und beim Zuschlagen der Tür wird ein Zweiglein des Weihnachtsbaumes eingeklemmt. Eins kommt zum anderen, tit for tat. Nach 18 Minuten ist das Haus des Mannes eine Ruine und das Auto von Laurel und Hardy ein Blechhaufen. Dazwischen werden Markisen, Gartenpflänzchen, Schornsteine, Kotflügel und Autotüren abgerissen, wird das Inventar des Hauses mit einem Baseballschläger in der Luft zertrümmert. Im Kampf gegen den anderen entsteht bei Stan und Ollie die Einheit aus der Zweiheit.

Big Business, 1929 gedreht, ist einer der letzten Stummfilme von Laurel und Hardy. Der Film ist eine Weltmetapher, eine Studie über die beiläufige Verwandlung von verletztem Stolz in lustvolle Entfesselung, von Banalität in Desaster, von Alltag in Krieg. Es ist das Ende und der Neubeginn von Zivilisation. Man versteht, weshalb Samuel Beckett Laurel und Hardy bewundert hat.

Geflennt und bereut wird in Big Business wie immer und überall zu spät.

Katja Nicodemus ist Filmkritikerin im Feuilleton