Das Siegerlächeln stammt noch aus einer Zeit, als der Sieg in weiter Ferne lag: Im April 2015 begleitete der deutsche Fotograf Philipp Breu die aramäische Miliz Dwech Nawscha bei ihren Patrouillenfahrten entlang der Front zum "Islamischen Staat", nur 15 Kilometer nördlich von Mossul. Dort verteidigten junge Freiwillige, allesamt chaldäisch-katholische Christen, ihre im Hinterland gelegenen Dörfer Telskuf, Scharafia und Bakufa. Breus Bilder zeigen die Zuversicht, auch den gelegentlichen Übermut einer Mini-Armee von fünfzig Heimatverteidigern. Ihr Name bedeutet "die sich aufopfern".

Damals schien Selbstverteidigung noch die beste Option, besser, als in nordirakischen Flüchtlingslagern auszuharren oder in den Westen zu verschwinden. Jetzt erst, seit die irakische Armee das alte Christengebiet um Mossul zurückerobert, ist manchem Kämpfer zum Weglaufen zumute. Anfang Dezember 2016 besuchte der deutsche Fotograf Andy Spyra mit der christlichen "Ninive Protection Unit" Karakosch, die Symbolstadt östlich von Mossul (Fotos Mitte). Vor dem Einmarsch des IS lebten hier 50.000 Christen, beim Abzug zündete die Terrormiliz die bereits zerstörten Kirchen abermals an und sprengte letzte Häuser. Spyra, der seit 2011 mindestens zehnmal im Land war, erlebte die demoralisierende Wirkung des Kahlschlags: Selbst erfahrene Kämpfer waren entsetzt über die gründliche Zerstörung, christliche Zivilisten wagen derzeit noch keine Heimkehr.

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An den Weihnachtstagen immerhin gab es erste, schwer bewachte Gottesdienste in Karakosch. Zuvor wurden provisorische Kreuze errichtet, Ikonen aus dem Schutt gezogen. Der neuseeländische Fotograf Campbell MacDiarmid hielt den Moment fest, als ein Soldat in Karakosch mit einem Jesus-Portrait posierte (großes Foto). Seine Pose ist kein Triumph, eher eine Anklage: Gehören wir eigentlich noch hierher?