In Labor 205 arbeiten heute fünf Studenten unter Tasakis Aufsicht an Terapio. Andere beschäftigen sich mit Geh-Assistenzrobotern, wieder andere entwickeln die selbstfahrenden Rollstühle weiter. "Wenn ich ein Krankenhausmanager wäre", sagt Tasaki und klopft kumpelhaft ans Gehäuse seiner Maschine, "würde ich als Erstes eine Liste machen: alle Arbeitsbereiche zwischen Menschen und Robotern aufteilen. Schweres Heben und das Speichern von Informationen sollte komplett Robotern überlassen werden. Menschen machen zu viele Fehler oder schaden sich sogar selbst. Die psychologischen Komponenten der Pflege sollten dagegen eher menschliche Pflegekräfte leisten."

Diese Vision deckt sich ziemlich genau mit den Zielvorgaben der japanischen Politik. Die Regierung in Tokio will, dass der Markt für Pflegeroboter wächst. Von vermutlich gut zehn Milliarden Yen (das entspricht etwas 81 Millionen Euro) im Jahr 2013 auf 260 Milliarden Yen im Jahr 2030. Mit staatlichen Fördermitteln werden Krankenbetten gebaut, die sich in einen Rollstuhl verwandeln können, und intelligente Stützen als Hilfe zum Aufstehen. Statt teure Therapiehunde auszubilden, gibt es bereits jetzt humanoide Therapieroboter, die Demenzpatienten bei Laune halten. Auch gegen die Einsamkeit im Alter wurden schon Zärtlichkeit spendende Maschinenmännchen entworfen. Japanische Informatiker und Ingenieure aus Europa schwärmen davon, dass hier in Japan nicht jede Forschungsidee durch ethische Fragen aufgehalten werde. Für originelle Projekte erhalte man schnell Fördermittel und könne sie ausprobieren.

Das macht Japan zur weltweit führenden Nation in der Assistenzrobotik. Die Verheißungen sind groß, aber die Liste der Niederlagen ist auch lang.

Ein Beispiel dafür ist Riba. Die Abkürzung steht für "Robot for Interactive Body Assistance", er ist ein Artverwandter von Terapio. Wissenschaftler des Forschungsinstituts Riken erhielten fünf Jahre lang Steuermittel für ihre Idee, einen Roboter zu bauen, der bettlägerige oder gelähmte Patienten heben kann. Weltweit berichteten Medien über die Maschine, die aussieht wie ein Teddybär. Schon deren Vorgängermodell Ri-Man wurde vom Time Magazine zu "einer der besten Erfindungen 2006" erklärt. Als sich jedoch auch der dritte Prototyp noch immer nicht flüssig genug für die kommerzielle Nutzung bewegen konnte – und zugleich die Fördermittel ausliefen –, war der Traum plötzlich vorbei. Trotz vielversprechender Testläufe rostet Riba jetzt in einem Labor vor sich hin. Eine große Vision, die nie Realität wurde. Diese Gefahr besteht auch für Terapio. Die Fertigstellung verzögert sich. "Eigentlich wollten wir Terapio von diesem Jahr an regulär in Krankenhäusern einsetzen", gesteht Tasaki. Doch beim letzten Test stellte sich heraus, dass einige Ärzte derart schnell über die Gänge rasen, dass der Roboter kaum hinterherkommt. Deswegen führt Tasaki jetzt Bewegungstests in Labor 205 durch.

Die finale Version von Terapio soll viel leistungsfähiger werden als anfangs geplant. Von Patienten genommene Blutproben, die bei Visiten in Terapios eimerartigem Körper abgelegt werden, soll er dann direkt auswerten können. Das lernt er derzeit. Dass der grün-weiße Helfer aber selbst Blut abnimmt, bleibt ein Traum. "Wir haben es versucht. Aber das ist schon rechtlich schwierig, weil Terapio dann quasi eine Krankenpflegerausbildung brauchte", sagt Tasaki. Doch auch darin sieht er wiederum einen Segen: "So kostet Terapio auch weniger Arbeitsplätze. Bei unseren Testläufen haben wir bemerkt, dass die menschlichen Pfleger ihn gar nicht bedrohlich fanden, sondern als Assistenten schätzten."