Das Kohle-Heizkraftwerk Wedel ist das Sorgenkind von Vattenfall: seit einem halben Jahrhundert in Betrieb, umweltschädlich, durch Lärm, Kohlenstaub und neuerdings säurehaltige Flugasche eine dauernde Zumutung für die Anwohner. Die frühere SPD-Regierung wollte es durch ein gasgetriebenes "Innovationskraftwerk" mit eigenem Wärmespeicher ersetzen, das sich aber kaum wirtschaftlich hätte betreiben lassen. Jüngste Idee: eine Wärmepumpe, die dem Elbwasser elektrisch Energie entzieht. Vorteil: Es gibt bereits eine Anlage, die Wasser aus dem Fluss und zurückpumpt. Nachteil: Die Elbe ist hier nur im Sommer warm – im Gegensatz zum Alternativstandort bei der Kläranlage Dradenau am Südufer.

© Anne Gerdes / ZEIT Grafik

Das Gelände der stillgelegten Müllverbrennungsanlage Stellinger Moor gilt seit Langem als geeigneter Standort für neue Anlagen zur Fernwärmeerzeugung. Aber welche? Der Bau einer modernen Müllverbrennungsanlage mit angeschlossener Biogasproduktion ist bereits beschlossen. Von Gasmotoren, die zugleich Strom und Wärme erzeugen, ist oft die Rede, sie dürften aber unwirtschaftlich sein. Neuerdings prüft die Umweltbehörde die Idee eines unterirdischen Wärmespeichers, der im Sommer einen Wärmevorrat für den Winter aufnehmen könnte. Auch der Bau eines strohbetriebenen Heizwerks wird geprüft.

Das neue Gasheizwerk Haferweg wird gerade erprobt. Westlich vom Stadtzentrum gelegen, könnte es das Kraftwerk Wedel jedenfalls teilweise ersetzen. Für den Betreiber Vattenfall ist das aber unattraktiv: Gas ist teuer, und im Heizwerk entsteht kein wertvoller Strom, nur Wärme.

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Im Hafengebiet südlich der Elbe liegen etliche Wärmequellen, die bislang für die Hamburger Fernwärmeversorgung nicht genutzt werden. Im Stahlwerk von ArcelorMittal und im Aluminiumwerk von Trimet fallen große Mengen Abwärme an, die Müllverbrennungsanlage Rugenbarg liefert schon Fernwärme, allerdings nicht ins Wärmenetz, sondern an einen Industriebetrieb. Das Klärwerk Dradenau leitet das ganze Jahr über gleichmäßig warmes Wasser in die Elbe, dem man mittels einer elektrischen Wärmepumpe Energie entziehen könnte. Nachteil all dieser Lösungen: Es müsste eine teure Wärmeleitung unter der Elbe hindurch gebaut werden.

Moorburg, das kohlegetriebene Mega-Kraftwerk, kostete drei Milliarden Euro, von denen Vattenfall die Hälfte bereits als Verlust abgeschrieben hat. Seit 2015 ist es in Betrieb und stößt seither nach Angaben von Greenpeace ungefähr so viel CO₂ aus wie der Andenstaat Bolivien. Ursprünglich sollte hier nicht nur Strom erzeugt werden, sondern auch Wärme für das Fernwärmenetz. Die CDU findet die Idee immer noch gut, Grüne und andere Umweltschützer sind strikt dagegen.

Im Kupferwerk von Aurubis fällt mehr nutzbare Abwärme an als irgendwo sonst in Hamburg. Gerade verhandelt das Unternehmen mit Hamburg und Vattenfall über einen Anschluss an das Wärmenetz. Wärmelieferungen in die HafenCity sind bereits vereinbart.

Die beiden wichtigsten Wärmeerzeuger, die Kraftwerke in Wedel und Tiefstack, liegen 22 Kilometer von einander entfernt. Laut Vattenfall können Teile des dazwischen gelegenen Wärmenetzes nicht durch östlich vom Zentrum gelegene Anlagen versorgt werden – weshalb man das Kraftwerk Wedel nicht ersatzlos stilllegen könne. Näheres über diese Netzrestriktionen weiß nur Vattenfall, das die Details seines Wärmenetzes als Geschäftsgeheimnis hütet.

Die Müllverbrennungsanlage in der Borsigstraße läuft nahezu ununterbrochen. Sie produziert Wärme und Strom, im Sommer deckt sie den Fernwärmebedarf der Stadt beinahe allein. Hier wird Hausmüll verbrannt, ein Teil der Anlage ist spezialisiert auf mit Lack und Imprägniermitteln belastetes Altholz.

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Neben Wedel das zweite große Umweltproblem im Wärmenetz: Das Kraftwerk Tiefstack verfeuert klimaschädliche Kohle überwiegend zum Heizen. Nebenbei, wenn nicht viel Wärme benötigt wird, entsteht auch Strom, aber im Wesentlichen ist dies ein Kohleofen. Er erzeugt fast ein Drittel der gesamten Fernwärme. Daneben produziert seit 2009 am selben Standort ein modernes Gaskraftwerk Strom und Wärme zugleich.

Wer heizt wann

Welche Heiz- und Heizkraftwerke tragen wie viel zur Fernwärmeproduktion bei? Von links nach rechts sind die 8760 Stunden des Jahres aufgetragen, von unten nach oben die Heizleistung. Man sieht also am bräunlichen Streifen ganz unten, dass die Müllverbrennung in der Borsigstraße permanent Wärme liefert. Die rote Fläche oben zeigt, dass der teure Brennstoff Gas in reinen Heizwerken ohne Stromproduktion nur selten zum Einsatz kommt – vor allem an kalten Tagen, wenn die Leistung der übrigen Anlagen nicht ausreicht.

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