Ein neues Zauberwort schwurbelt durch die Welt der Musen: "Staatsoper 4.0". Kreiert hat den magischen Begriff der österreichische Kulturminister Thomas Drozda, als er den künftigen Staatsoperndirektor Bogdan Roščić vorstellte, der überraschenderweise in drei Jahren Dominique Meyer ablösen soll. Das klingt modern, das klingt digital, das scheint kompatibel mit sozialen Netzwerken und coolen Apps zu sein. Nur was darunter zu verstehen ist, das wollte oder besser konnte niemand erklären. Oper als interaktives Sound-Spektakel? Star Wars statt Nibelungenring, Wotan mit Laserschwert?

Von derlei Dingen war nicht die Rede. Stattdessen griff man tief in die Phrasenkiste, hoffte auf "positive Weichenstellungen" und dozierte nebulos über neue Einnahmequellen, etwa über Bezahlfernsehen, bei denen der "bestens vernetzte" Kulturmanager Roščić sein innovatives Business-Potenzial ausspielen könne.

Opas Oper traditioneller Machart hingegen – in der Diktion der "Slim fit-Anzugträger wohl: Oper 1.0 – sei so gut wie tot. Bogdan Roščić wies darauf hin, dass in der Metropolitan Opera in New York, die von Peter Gelb, seinem Vorgänger als Geschäftsführer von Sony Classical, geleitet wird, selbst bei populären Werken wie Cavalleria rusticana jeder zweite Platz frei bleibe (ein Faktum, das es nicht gerade als Königsidee erscheinen lässt, einen Tonträger-Manager in ein Opernhaus zu berufen).

Dummerweise ist nun aber die Wiener Oper, der auf diese Weise implizit unterstellt wird, ebenfalls von gestern zu sein, Abend für Abend knallvoll. Und so entstand bei der Vorstellung des neuen Staatsoper-Chefs eine eigenartige Disharmonie: Zum einen wurde der Kulturminister nicht müde, immer wieder zu betonen, dass dank der hervorragenden Leitung des amtierenden Direktors das Haus "in bester Verfassung" sei, "gut ausgelastet, gut geführt". Dass aber trotzdem Innovationsbedarf bestehe.

"Natürlich ist da ein Widerspruch vorhanden", meint Franz Welser-Möst, ehemaliger Generalmusikdirektor der Staatsoper, der vor zwei Jahren im Unfrieden ging: "Man sagt: Alles läuft toll, aber wir wollen jemand anderen." Und mit maliziösem Lächeln ergänzt er: "Das ist eben Politik."

Was den Kulturminister tatsächlich dazu veranlasst haben könnte, eine Supernova am Ring aufblitzen zu lassen, gibt Rätsel auf. Die New York Times beispielsweise meinte, der Führungswechsel in "einem der renommiertesten Opernhäuser der Welt" sei nicht frei von einem "Hauch der Intrige". Vielleicht wollte sich die rote Kulturmafia in Wien auch nur einen weiteren Posten sichern. Dominique Meyer, der jeden Grund hätte, ob der würdelosen Behandlung wütend zu sein, enthielt sich vornehm jeden Kommentars und ließ seinem Nachfolger unverzüglich einen Hausausweis ausstellen, mit dem der Ellbogenmensch aus dem Ö 3-Universum jetzt drei Jahre lang zur Lehre gehen kann. Franz Welser-Möst: "Man kann diesen Posten ja nicht im Trockendock erlernen."