Die Meldung rast am 19. Dezember um den Globus: Schießerei in einer Zürcher Moschee. Drei Verletzte. Polizei vor Ort. Täter auf der Flucht. Das Zurich shooting ist die Top-News auf allen Kanälen. Selbst der zukünftige US-Präsident Donald Trump twittert direkt aus New York: "Heute gab es Anschläge in der Türkei, in der Schweiz und in Deutschland, und es wird immer schlimmer. Die zivilisierte Welt muss ihr Denken ändern!"

Nur in der Schweiz, in Zürich, bleibt es an diesem Montag kurz vor Weihnachten erstaunlich ruhig. Dabei hatte das Land, hatte die Stadt gerade einen der schwersten Angriffe auf ein Gotteshaus überhaupt erlebt.

Wie ist das zu verstehen?

Zuerst einmal mangelte es an diesem Abend schlicht an Informationen: Wer hat in der Moschee um sich geschossen und warum? Dann war da aber auch die nervöse Nachrichtenlage.

Am Nachmittag erschießt in Ankara ein türkischer Polizist den russischen Botschafter. Wenig später steuert ein tunesischer Terrorist einen Lastwagen durch einen Weihnachtsmarkt in Berlin, zwölf Menschen sterben. Eine Schießerei in einer kleinen Hinterhof-Moschee mit drei Verletzten verliert da zwangsläufig an Aufmerksamkeit.

Hinter dem vielsagenden Schweigen, hinter der fehlenden öffentlichen Anteilnahme steckt aber mehr: Es ist die weitverbreitete Haltung, dass uns, die Mehrheitsgesellschaft, die Schüsse nichts angehen, die auf die anderen abgefeuert werden.

Diese Gleichgültigkeit spüren nicht nur die Muslime in der Schweiz. Anfang November veröffentlichte der Bund seinen Antisemitismus-Bericht. Er reagiert darin auch auf die Forderung der jüdischen Gemeinden, der Staat möge sich am Schutz der Synagogen und Gemeindehäuser finanziell beteiligen.

Der Bund schreibt, die Sicherheit der jüdischen Institutionen sei zwar eine "Angelegenheit von nationaler Tragweite". Aber erstens seien dafür die Kantone zuständig, es fehle ein entsprechendes Bundesgesetz, und zweitens sollten die jüdischen Gemeinden dafür bitte selbst bezahlen; implizit bedient er damit das antisemitische Klischee vom reichen Juden. Die Beamten empfehlen ihren Mitbürgern, eine Stiftung zu gründen und "eine namhafte Summe als Vermögen für die Finanzierung von Sicherheitsmaßnahmen ihren Mitgliedergemeinden [zu] widmen, welche als Destinatäre der Stiftung zu betrachten wären".