Zweitens, wir sollten die Väter ranlassen. Sie wollen doch. Jeder dritte nimmt heute Elternzeit. Dass es oft nur die obligatorischen zwei Monate sind, liegt, seien wir ehrlich, auch an uns Müttern: Viele wollen gar nicht so schnell zurück ins Büro. Und wir wollen die Hoheit darüber behalten, ob das Kind mit oder ohne Schnuller einschläft. Soziologen nennen das "mütterliches Gatekeeping": Beim Nachwuchs fühlen wir uns naturgemäß kompetenter.

Im Deutschland des 21. Jahrhunderts kleben Frauen wie Männer an alten Geschlechterrollen. 60 Prozent der Eltern mit kleinen Kindern würden familiäre und berufliche Aufgaben gern unter sich aufteilen – aber nur 14 Prozent tun es. Auch mein Mann und ich scheitern immer wieder an unseren Ansprüchen. Wir arbeiten zwar beide Vollzeit und teilen die Hausarbeit halbwegs gerecht. Da ich aber flexibler arbeiten kann als er, ruft die Erzieherin zuerst mich an, wenn der Kleine Fieber hat. Wir Mütter brauchen die Väter aber, sie sind unsere größten Vereinbarkeitshelfer. Wir müssen ihnen deshalb mehr zutrauen und sie zugleich stärker in die Pflicht nehmen.

Drittens, lassen wir doch mal fünfe gerade sein! Wir scheitern oft gar nicht an der Vereinbarkeit, sondern an unseren eigenen Ansprüchen: Im Job versuchen wir, in 25 Stunden so viel zu schaffen wie sonst in 40, um bloß nicht als Teilzeitmutti zu gelten. Gleichzeitig soll es dem Kind an nichts fehlen, deshalb karren wir es zur Musikschule und zum Kinderturnen. Zu Hause backen wir nachts noch Plätzchen, um uns in der Kita nicht mit Gekauftem zu blamieren, und sausen am Wochenende los, damit es, wenn Besuch kommt, nach frischen Blumen duftet. Ich übertreibe ein wenig, aber wahr ist: Wir machen uns den Stress meist selbst. Der größte Feind der entspannten Mutter ist ihr eigener Perfektionismus.

Wir sollten uns das Leben als Bettdecke vorstellen, die überall ein wenig zu kurz ist. Die vier Enden stehen für: Zeit für den Job, die Familie, die Hausarbeit und uns selbst. Schlagen wir die Decke um die Füße (Familie), schaut die Schulter heraus (Zeit für mich). Ist der Rücken warm (Job), frieren die Arme (Haushalt). Wie sehr wir an der Decke auch zerren, sie wird nicht größer. Doch das ist nicht schlimm, solange alle Glieder zwischendurch warm werden.

Hier können wir übrigens von den Männern lernen. Sie haben (zu Hause) eine deutlich höhere Toleranz gegenüber unerledigter Arbeit. Verbringt mein Mann einen Tag mit dem Kind, ist die Wäschetrommel abends genauso voll wie am Morgen, auch die Wollmäuse warten weiter unterm Sofa. Doch Vater und Sohn spielen in tiefer Versunkenheit Playmobil. Vielleicht lässt sich das schlechte Gewissen, das jede Mutter zusammen mit dem Kind im Kreißsaal gebärt, so überwinden: indem wir lernen, ein unperfektes Familienleben zu ertragen. Sonst brennen wir aus.

Im Mai werde ich wieder Mutter. Die Kontaktanzeige brauche ich jetzt nicht mehr. Denn ich habe mein Vorbild gefunden: Es ist die good enough mother. Eine Mutter, die gut genug ist.