Noch nie war es so schwer, an einer Elite-Uni angenommen zu werden.

In dieser Woche erlebte Amerika den Höhepunkt des admission frenzy, des "Zulassungswahns": einen Platz an einer der weltweit berühmten Eliteuniversitäten zu ergattern. Am 1. Januar endete die Bewerbungsfrist in Harvard, am 2. in Yale, am 3. in Stanford. Zehntausende aus aller Welt haben ihre Unterlagen eingereicht, auch in diesem Jahr könnte es einen neuen Rekord geben. Obwohl die Studienplätze an den Spitzenhochschulen bis zu 60.000 Dollar im Jahr kosten, steigen die Bewerberzahlen.

Keine Alma Mater zeigte sich in den vergangenen drei Jahren so streng wie Stanford im kalifornischen Palo Alto: Nur knapp 2.000 der 44.000 Bewerber bekamen eine Zusage, gerade einmal 4,8 Prozent. Selbst an Amerikas ältester Universität, Harvard in der Nähe von Boston, lag die Quote höher.

Wie kommt das? Natürlich wollten viele Studienanfänger besonders gerne nach Kalifornien, sagt Stanfords Dekan für die Zulassung, Richard Shaw: die Westküste, das Wetter, das Silicon Valley. Er spricht aber auch von einer "Obsession", die von den Medien geschürt werde: Die Bewerber versteiften sich auf die Universitäten mit den besten Plätzen in den Hochschulrankings. Aus Shaws Sicht ist das falsch. "Wir denken, dass sich die Leute auf das falsche Kriterium konzentrieren." Es gebe auch an vielen der anderen 1800 Universitäten eine gute Ausbildung.

Unter den 44.000 Bewerbern die richtigen 2.000 herauszufiltern ist für Shaw und seine Mitarbeiter die Arbeit mehrerer Monate – bis Anfang April endlich die Zusagen verschickt werden. "8.000 Bewerber sind erkennbar ungeeignet, die anderen 36.000 jedoch sind wirklich stark", sagt Shaw, "wir können aus einem enorm breiten Angebot an imponierenden Biografien auswählen."

Doch wie wählt man die Imponierendsten der Imponierenden aus? Also Studentinnen wie Katie Ledecky, die 2012 schon als 15-Jährige bei den Olympischen Spielen schwamm und bei den Spielen in Rio de Janeiro vier Jahre später vier Goldmedaillen mit nach Hause nahm? "Die Besten der Welt – sicher, die finden wir toll", sagt Shaw, "vor allem aber ist meine Devise: Tue, was du liebst, ob das Physik, Musik oder Sport ist."

Daher zählen für Stanford nicht nur Schulzeugnisse und Testergebnisse, sondern auch die Referenzen von Lehrern und von Gutachtern außerhalb der Schule sowie die Essays, die die Bewerber einreichen müssen. "Es geht nicht darum, ob jemand einen neuen Planeten entdeckt hat – wir hatten einmal einen, der hatte sogar elf Planeten ausgemacht. Wir wollen herausfinden, wie jemand seine Begabungen verwirklicht hat." Es gebe viele großartige Geiger, Stanford versuche aber diejenigen zu finden, die kreativ und leidenschaftlich seien.

Kritisch ist Shaw gegenüber Lebensläufen, die er airbrushed nennt: Lebensläufe, denen man es sofort ansieht, dass Eltern oder sogar bezahlte Berater sie beeinflusst haben. "Diese jungen Menschen sind nicht mehr sie selber. Sie haben sich von anderen managen lassen, und sie wirken auch gemanagt. Wie bedauerlich!", sagt Shaw. Viel lieber nehme er einen Bewerber auf, der im Fast-Food-Restaurant arbeite, um seine Mutter zu unterstützen. "Wir schauen genau hin", sagt Stanfords Zulassungschef – selbst wenn es in diesem Jahr wieder einen neuen Bewerberrekord geben sollte.