Es ist Automesse in Detroit, der wichtigste jährliche Branchentreff in Nordamerika. 40 neue Modelle werden die Hersteller in diesen Tagen dort enthüllen, darunter den mit bis zu 336 Kilometer pro Stunde schnellsten Viersitzer der Welt, den Bentley Continental Supersports. Doch das wichtigste Thema in der US-Autohauptstadt ist in diesem Jahr kein Auto. Und auch nicht die Tatsache, dass der chinesische Anbieter GCA erstmals einen Stand in der Haupthalle der Messe hat. Das heißeste Thema ist Donald Trump.

Um ihn drehen sich die Gespräche bei den offiziellen Veranstaltungen und hinterher in den Bars – und so gut wie jedes Interview mit den angereisten Auto-Managern. Denn der Immobilienmogul, der kommende Woche das Präsidentenamt übernehmen wird, hat sich zuletzt auf ihre Unternehmen eingeschossen. Erste Zielscheibe war General Motors. Anfang vergangener Woche warnte Trump via Twitter: "General Motors liefert Chevy Cruze zollfrei aus Mexiko an US-Autohändler. Produziert in den USA, oder zahlt eine satte Grenzsteuer!" Wenige Tage später legte er nach. Dieses Mal traf es den japanischen Autobauer Toyota. Der japanische Hersteller, der 30.000 Mitarbeiter in den USA beschäftigt, plant eine neue Fabrik in Mexiko. Keine gute Idee, findet der künftige Präsident. "Baut die Fabrik in den USA, oder zahlt eine satte Grenzsteuer!", ließ er ebenfalls per Twitter wissen. Die Toyota-Aktie brach daraufhin um drei Prozent ein.

Schon im Wahlkampf hatte Trump mit einem Strafzoll in Höhe von 35 Prozent für die Hersteller gedroht, die ihre Modelle jenseits der Grenze im Süden herstellen und dann in die USA importieren. Er kritisierte besonders die Ford-Manager für deren angeblich mangelnde Vaterlandsliebe. Schlagzeilen machte deshalb Fords Entscheidung, ein bereits geplantes Werk im mexikanischen San Luis Potosí nun doch nicht zu bauen. Rund 1,6 Milliarden Dollar wollte der Detroiter Autohersteller in der mexikanischen Stadt ursprünglich investieren. Noch im Dezember hatte Ford-Chef Mark Fields erklärt, an den Plänen festzuhalten. Vergangene Woche schlug er ganz andere Töne an: Als ein "Zeichen des Vertrauens in die wirtschaftsfreundliche Politik" Donald Trumps werde man die Expansion in Mexiko abblasen und stattdessen ein bestehendes Werk in den USA ausbauen.

Die Auto-Bosse dürfte der Gegenwind durch den neuen Präsidenten nicht überraschen. Trump kam besonders bei den Wählern im sogenannten Rust-Belt des Mittleren Westen an. Er gewann Bundesstaaten wie Ohio, Indiana und sogar Pennsylvania und Michigan, die lange zuverlässig an die Demokraten gegangen waren. Diese Staaten waren einst das Zentrum der US-Autoindustrie. Doch die Branche hat in den vergangenen Jahrzehnten Hunderttausende entlassen.

Die Gewerkschaft United Auto Workers (UAW), Anfang der achtziger Jahre noch 1,5 Millionen Mitglieder stark, hat heute nur noch 400.000 Arbeitnehmer in ihren Reihen. Neue Werke entstanden, wenn überhaupt, im Süden der USA, wo die Autoarbeiter nicht gewerkschaftlich organisiert sind. Und viele gleich jenseits der mexikanischen Grenze. Trump hat den enttäuschten Arbeitern eine Renaissance versprochen, die Rückkehr ihrer Jobs. Jetzt muss er zeigen, dass es ihm ernst ist mit seinem Versprechen. Daher die Twitter-Attacken.

Aber auch wenn Trump die Entscheidung von Ford als Sieg für sich verbucht, es gibt auch strategische Gründe für den Autobauer, sein Engagement in San Luis Potosí abzusagen. "Es ist kein guter Zeitpunkt, um noch weitere Kapazitäten auszubauen", sagt Kristen Dziczek, Analystin beim Center for Automotive Research, einem Forschungsinstitut der Branche. Seit Obama 2009 die US-Autobauer mit Staatsgeld vor dem Aus bewahrte, hat sich die US-Autoindustrie zwar mehr als erholt. War 2015 schon ein Rekordjahr, legten die Absatzzahlen 2016 noch einmal auf 17,55 Millionen Fahrzeuge zu. Gründe für den Boom waren die bessere Lage am Arbeitsmarkt und der Nachholbedarf. Viele Amerikaner hatten nach der Krise auf ein neues Auto verzichtet. Nun aber mehren sich die Anzeichen, dass der Absatz künftig stagnieren könnte. Grund sind vor allem die steigenden Zinsen. Sieben von zehn Autos werden in den USA auf Pump gekauft. Höhere Zinsen machen den Autokauf teurer.

Bei der Aufregung um Trumps Twitter-Drohgebärden trat zudem in den Hintergrund, dass Ford an der Produktion in Mexiko festhält. Statt in einem neuen Werk in San Luis Potosí soll der Ford Focus nun in einem bestehenden Ford-Werk im mexikanischen Hermosillo gefertigt werden. Das macht angesichts der schwächelnden Nachfrage nach kleineren Modellen Sinn, sagt Peter DeLorenzo, Betreiber der Insider-Webseite Autoextremist. "Das Ganze hat Ford dann schön als politisches Geschenk für Trump verpackt."