Das starke Wachstum der letzten Jahre kam vor allem von Pick-up-Trucks und SUVs. Dank niedriger Spritpreise entdeckten die Amerikaner ihre Vorliebe für große Wagen wieder. Die sind wegen der höheren Margen auch bei den Autobauern beliebt. Das ist ein Grund dafür, dass die Produktion der kleineren Modelle nach Mexiko wandert, wo sie günstiger produziert werden können.

Auch deutsche Autobauer setzen weiterhin auf Mexiko. Daimler baut dort ein Werk mit Renault-Nissan, das noch in diesem Jahr die Produktion beginnen soll. Die neue Fabrik von Audi hat bereits im September den Betrieb aufgenommen. Und BMW will ab 2019 die Dreier-Limousine in dem Land bauen. Die Wahl von Donald Trump ändere nichts an diesen Plänen, versicherten die deutschen Unternehmen auf Nachfrage des Branchenjournals Automobilwoche. Das liegt nicht nur an den niedrigen Löhnen dort.

Mexiko hat sich im Lauf der vergangenen Jahrzehnte in eine weitgehend zollfreie Zone verwandelt. Das Land hat Freihandelsabkommen mit 44 Nationen unterzeichnet. Das hat zur Folge, dass Autoteile zollfrei aus dem Ausland – etwa auch aus Deutschland – importiert und fertige Fahrzeuge zollfrei exportiert werden können. Die Autoindustrie hat dank der Verträge freien Zugang zu rund der Hälfte des globalen Automarktes. Dagegen haben die USA nur mit 20 Ländern Freihandelsabkommen, das entspricht nicht ganz zehn Prozent des Marktes, so die Berechnungen des Center for Automotive Research.

Autobauer, die aus Mexiko exportieren, haben allein 2014 rund 770 Millionen Dollar an Zöllen gespart, die sie bei Exporten aus den USA hätten zahlen müssen, so eine Analyse des Finanznachrichtendienstes Bloomberg. Dass es nicht mehr nur darum geht, in den Norden verkaufen zu können, zeigen die Statistiken. Zwar sind die Nafta-Länder USA und Kanada mit 60 Prozent der Exporte die größten Abnehmer von Autos aus Mexiko, doch ihr Anteil nimmt ab. 2015 betrug der Anteil der sonstigen Länder – vor allem in Südamerika und Europa – 18 Prozent. Bis 2018, so die Prognosen, könnte er auf 30 Prozent steigen.

Was Trumps Attacken für die Auto-Bosse so gefährlich macht: Kaum eine Branche operiert so global integriert. Wo ein Modell in der Endmontage fertiggestellt wird, sagt heute nur noch wenig darüber aus, wo die einzelnen Teile herkommen. Ein Auto nur "made in USA" zu erwerben, ist schlicht unmöglich geworden. Jedes Jahr stellt die US-Webseite Cars.com eine Liste der Modelle zusammen, die größtenteils im Land produziert und verkauft wurden. Mindestens 75 Prozent der verbauten Teile müssen in den USA hergestellt sein. Sieger 2016: der Toyota Camry. Auf Platz zwei folgt Honda. Erst auf Platz sechs findet sich ein US-Hersteller, es ist GM mit dem Chevrolet Traverse. Das aktuelle Modell des Chevy Cruze bezieht nur noch 44 Prozent der Teile aus den USA und Kanada. Noch vor fünf Jahren waren es immerhin 60 Prozent gewesen, so eine Auswertung des Wall Street Journal.

Bisher ist nicht ganz klar, was genau Trump mit seiner "Grenzsteuer" meint. Für wen oder für welche Produkte sie gelten soll, ließ er bisher im Dunkeln. Sollte er jedoch tatsächlich einen Strafzoll auf importierte Produkte einführen, würde dies das internationale Netz aus Lieferanten zerreißen. Und um eine ausreichend große Zulieferindustrie in den USA aufzubauen, würden Jahre vergehen und enorme Investitionen benötigt. Sollte es keine Übergangslösung geben, würde den Autobauern nichts anderes übrig bleiben, als den Zoll zu zahlen. Geben die Autobauer die höheren Einfuhrkosten an die Verbraucher weiter, dürfte das zu einem Rückgang der Verkäufe führen.

Ausgerechnet Trumps Versuch, die Produktion wieder national zu machen, könnte also geplante Jobs gefährden. Die US-Autobauer haben in den vergangenen Jahren begonnen, Milliarden in neue Technologien zu investieren. Bestes Beispiel ist Ford. Mit den vergangene Woche von CEO Fields angekündigten 700 Millionen Dollar sollen ein neues elektrisches SUV-Modell sowie ein selbstfahrendes Auto gebaut werden – in einem Werk unweit von Detroit. Mindestens 700 neue Jobs sollen dabei entstehen. Ein durch die Zölle verursachter Umsatzeinbruch könnte eine Sparwelle auslösen und die Investitionspläne zunichtemachen. Das wäre das Gegenteil von Trumps Ziel.