Der Klassiker aus dem helvetischen Küchen-Inventar ist nicht besonders schön. Das muss er auch nicht sein. Denn er drängt sich niemals auf den Tisch wie das Fondue-Rechaud, er ist nie der Mittelpunkt einer geselligen Runde wie das Raclette-Öfeli. Nein, der Dampfkochtopf, er bleibt dort, wo er gebraucht wird: auf dem Herd.

Nun ist Jacques Kuhn, der Mann, der den Dampfkochtopf, den Duromatic, mit erfunden und damit Generationen von Schweizer Hausfrauen das Kochen erleichtert hat, im hohen Alter von 97 Jahren gestorben.

Wenn sich das Leben nach den Wünschen seiner Eltern entwickelt hätte, wäre Jacques Kuhn kaum als einer der letzten großen Patrons in die Schweizer Industriegeschichte eingegangen. Gut möglich, dass er der Franzose geworden wäre, auf den sein Name deutet. Denn er kam 1919, wie sein älterer Bruder Henri, in einer frankophilen Familie zur Welt. Seine Eltern kamen zwar aus dem Kanton Zürich, fanden ihr Glück aber im Elsass und wären dort geblieben, wenn nicht der Großvater seine Tochter derart vermisst hätte, dass er die Familie hartnäckig ins Tösstal im Zürcher Oberland zu locken versuchte. Mit Erfolg. Vater Heinrich, ein Tüftler, kaufte sich in Rikon eine in Konkurs gegangene Fabrik und entwickelte Pfannen für die neu aufgekommenen Elektroherde.

Sohn Jacques behagte das Leben als Fabrikantensohn nicht sonderlich. Der Vater sei "alte Schule" gewesen, erzählte er einmal, habe Prügel ausgeteilt und seine Buben an schulfreien Tagen im Geschäft mitarbeiten lassen. Doch wie sein Vater war auch Jacques ein Tüftler, "ein echter Chlütteri", der Tag und Nacht versinken konnte, um einer Idee nachzugehen. "Ich vermisste nichts dabei, tatsächlich, nicht einmal eine Frau", sagte er, der erst mit 88 Jahren heiraten sollte.

Dass er studieren konnte, verdankte er aber einem anderen: seinem Bruder Henri. Dieser musste 1932, als der Vater überraschend an einem Hirntumor starb, mit nur 18 Jahren das Gymnasium abbrechen und ins Familienunternehmen einsteigen. "Dir soll es nicht wie mir ergehen", erinnert sich Jacques später im Buch Das volle Leben. Männer über achtzig erzählen. Er durfte studieren, ging ans Polytechnikum in Zürich, wurde Maschineningenieur und zog dann nach Amerika. Dort machte er ein Abendtechnikum, besuchte Fabriken und schrieb abends Briefe nach Rikon mit Ideen, Skizzen, Plänen von dem, was er gesehen hatte.

Zurück im Zürcher Oberland, führen die Brüder, die sich blind vertrauen, wenig miteinander sprachen und auf diese Weise viel Zeit gewannen, die Firma gemeinsam. Henri war zuständig für das Kaufmännische und das, was man später Marketing nennen wird, Jacques für die Entwicklung und die Produktion. Als Erstes stellt er die Pfannenproduktion nach amerikanischem Vorbild auf Fließbandarbeit um. Dann tüftelte er an seinem Projekt, das die Schweizer Küche revolutionieren und das Zeitalter des effizienten Kochens einläuten sollte: den Dampfkochtopf.

Neu war die Idee nicht, mithilfe von hohem Druck die Siedetemperatur des Wassers auf über 100 Grad zu erhöhen und die Garzeiten so zu verkürzen. Bereits 1690 experimentierte der französische Erfinder Denis Papin mit einer marmite à pression. Der Papinsche Topf erreichte die Marktreife allerdings nie, das erste Modell explodierte noch bei der Präsentation.

Handlich, sicher und leicht zu reinigen sollte der Dampfkochtopf sein, den Kuhn im Kopf hatte. Er war selbst ein leidenschaftlicher Koch, aber das Abwaschen war ihm ein Gräuel. Genauso wie der "grausliche Lärm" des Flexil-Schnellkochers, der damals bereits auf dem Markt war. Das Problem war das Ventil: ein simples Loch im Deckel, bedeckt mit einem Gewichtsstein. Bei Überdruck hob sich der Stein, der Dampf zischte raus und brachte das Ganze zum Scheppern.