Alfred Dorfer © Peter Rigaud

Das Wetter ist dem Menschen oft nicht freundlich gesinnt. vor allem wenn die Tage kurz und die Nächte lang sind. Daher ist es umso wichtiger, kompetente Ratgeber an der Seite zu haben, die wissen, dass die Natur im Lauf der Evolution für alle Probleme eine Lösung gefunden hat. Bei Glatteis raten nun führende Orthopäden, die offenbar einen Fortbildungskurs im berühmten britischen Ministry of Silly Walks absolviert haben, zum Pinguin-Gang. Will heißen: kleine Schritte, den Körper ganz leicht nach vorne geneigt und mit ganzer Sohle auftreten. Die Vorstellung, in einer belebten Shoppingmall hinter Hunderten Pinguinmenschen herzuwatscheln, mutet vielleicht etwas seltsam an. Noch dazu, wo doch, wie man aus Film und Fernsehen weiß, Zombies eine ganz ähnliche Fortbewegungsweise wählen, wenn sie ihre untote Existenz fristen und sich nicht nur deshalb unwesentlich von den Besuchern der Einkaufszentren unterscheiden. Aber der Sicherheitsgedanke, der jedermann bei Blitzeis leiten sollte, muss an erster Stelle stehen – selbst wenn dem Anblick einer watschelnden Menschenmasse eine ganz eigene Komik innewohnt. Doch für den pubertären Hang zur Ironie, der so viele beseelt, ist in dieser prekären Situation kein Platz. Hat die kalte Jahreszeit auch mannigfaltige Unbilden auf Lager, so gibt es doch für jedes Ungemach Abhilfe. Anders verhält es sich, wenn die Temperaturen wieder steigen. Da in unseren Breiten die Hitze immer häufiger zu Gast ist, bedarf es ähnlicher Tipps für adäquate Methoden der Fortbewegung zu Zeiten, da schon die kleinste Bewegung den Schweiß aus den Poren quellen lässt. Schwierig, sich hier für ein Vorbild zu entscheiden, denn die Natur bietet mehrere unterschiedliche Spezialisten an. Soll der Mensch an den Hundstagen wie ein Kamel im Passgang durch die Einkaufsstraßen streifen und tagelang auf Wasser verzichten? Oder dem Krokodile oder der Schlange gleich über den Asphalt kriechen oder schlängeln, um der heißen Luft in höheren Luftschichten zu entgehen? Nicht zu vergessen die Wüstenspringmaus, die durch grazile kurze Sprünge den Kontakt mit der heißen Erde möglichst kurz hält. Das wäre doch auf Sandstränden zur Mittagszeit die gesündeste Fortbewegungsart für Sonnenanbeter. Bei nasskaltem Übergangswetter – also zwischen den Phasen mit extremer Witterung – dient der Seeelefant als Vorbild. Gut eingefettet trotzt er mit verkniffenem Blick dem widrigem Klima und erkältet sich dabei kaum. Bleibt noch die Frage, wie sich der Mensch bei stinknormalem Wetter verhalten soll. Hier schenkt uns die Natur den Pandabären. Vom Wetter unbeeindruckt verbringt er seine Tage mit Nahrungsaufnahme und ganz wenig Sex. Süß.