Hans Donner lässt sich gerne den "Designer mit dem größten Publikum des Planeten" nennen, aber er glaubt sich auf einer noch größeren Mission. "Sehen Sie das hier? Apple!", ruft der dürre Mann in seinem Büro am vornehmen Südrand von Rio de Janeiro, das nur wenige Schritte von Leblon, einem der schönsten Strände der Welt, entfernt liegt. Mit einer wegwerfenden Handbewegung weist Donner auf das bleiche Apfel-Logo an seinem Computer: "Das ist doch längst vorbei." Vergänglich, so wie jene Ikonen, die den Österreicher Hans Donner in Brasilien groß gemacht haben. Ein Leben lang hat er fürs Fernsehen gearbeitet, jetzt will er etwas Bleibendes schaffen. "Ich fühle: Der Zeitpunkt ist gekommen, wo ich meine Mission erfüllen kann", sagt er.

Hans Donner ist ein Weltstar des Designs – aber in der Alten Welt kennt man ihn kaum. Der in Bregenz aufgewachsene 68-jährige Grafiker ist seit Jahrzehnten für die Optik des brasilianischen Mediengiganten O Globo verantwortlich, des Telenovela-Königs und Marktführers in dem aufstrebenden 200-Millionen-Einwohner-Land. Täglich flimmern Donners Schöpfungen über die Bildschirme und erreichen ein Publikum in dreistelliger Millionenhöhe.

Zugleich ist der schillernde Designer in Brasilien selbst ein Promi. Donner fährt schusssichere Autos, hat Immobilien an schönen Plätzen, seine Frau, eine frühere Schönheitskönigin, shoppt in den Modemetropolen der Welt. Der brasilianische Playboy brachte mal eine Reportage über "Hans Bling-Bling Donner", den gesellschaftlichen Shootingstar aus dem exotischen Österreich. "Aber ich bin kein Playboy", sagt Donner. Na gut: Er habe früher mal 110 Paar Schuhe besessen und die Stilikone Fiat Bertone gefahren. Aber statt in Nobelrestaurants zieht es ihn bei Gesprächen in ein Feijoada-Lokal, das den traditionellen Eintopf aus Bohnen und Fleisch serviert, dazu bestellt er Cachaça, den ungefilterten brasilianischen Rum.

Geboren ist Hans Donner in Wuppertal, doch schon als Zweijähriger zog er mit seiner Mutter, einer jungen Witwe, und zwei Geschwistern nach Bregenz und wurde Österreicher. "Meine Mutter nahm uns mit ins Paradies", sagt Donner heute. Mit 17 ging Donner an die Grafische Lehranstalt nach Wien. Die Geschichte, wie er dann nach Brasilien kam, findet er bis heute selber verrückt: "Sie fühlt sich an wie ein einziger Traum."

In einer Branchenzeitschrift fand der Student 1974 einen Bericht über das aufstrebende Designland Brasilien. Ohne ein Wort Portugiesisch zu sprechen, besorgte sich der 25-jährige Abenteurer ein Flugticket und ein Touristenvisum, mit dem er 21 Tage lang in Rio bleiben durfte. "In meiner Heimat sagten sie, ich spinne", erzählt Donner, "sie sagten: Du gehst da ins Land der Affen und Bananen." Die Brasilianer gaben ihm ebenso wenig Chancen: "Ich ging mit meiner Mappe von Büro zu Büro und bekam bloß äußerst freundliche Absagen."

Am Tag vor seiner Rückreise nach Wien lernte Donner in einem Aufzug in Rio dann einen Mann kennen, der ihn zur mächtigsten Figur des brasilianischen Fernsehens führte. José Bonifacio de Oliveira Sobrinho, der Programmdirektor des damaligen TV Globo, war auf der Suche nach einem neuen Logo für seinen Sender. Irgendwie schloss der große "Boni" den kauzigen Hans ins Herz. Auf einer Serviette entwarf Donner das O-Globo-Symbol: eine Kugel mit einem Fernseher drin, in dem wiederum eine Kugel zu sehen war. Von nun an schickte Boni dicke Schecks an Donner. Der entwarf Logos, Trailer, Vorspänne und Abspänne, Studiodesigns. Den sachlichen Stil mit den klaren Linien, den Donner aus Wien mitgebracht hatte, ergänzte er um die Farben und Formen der neuen Heimat. "Sonst wäre ich doch hier untergegangen", sagt er. O Globo? Das wurde zum Synomym für kunterbunt schillernde Kugeln und dreidimensionale Schriftzüge mit Spiegeleffekten im computerberechneten Lichtschein.

Kaum verhüllt spielten auch wallende Busen und pralle Pobacken eine zentrale Rollen in den Donner-Designs. Unterm Zuckerhut schwelgte der Österreicher in den Farben des Karnevals, ließ sich von der Energie in den Fußballstadien treiben, von der Sinnlichkeit überfüllter brasilianischer Innenstädte. Man könnte auch sagen: Aus europäischer Sicht wurde das Werk von Hans Donner zunehmend vulgär.

"Da gibt es viele kulturelle Missverständnisse", sagt Donner und lacht. Er hat das häufiger gehört. In New York und Singapur musste er bei Ausstellungen, die Entwürfe und Reproduktionen seiner Fernsehdesigns zeigten, schon Exponate entfernen: Nackte Haut wirkte in diesen Städten zu schockierend. "In Rio ist das normal, hier zieht man sich eben weniger an", sagt Donner. Zunehmend konnte er es sich leisten, prüde Kritiker auflaufen zu lassen. Der kommerzielle Erfolg O Globos gab seinen Designideen Recht, Preisjurys und Magazinredaktionen in aller Welt hoben den Paradiesvogel aus Rio immer wieder hervor.