Als Meryl Streep in der Nacht zum Montag den Golden Globe für ihr Lebenswerk entgegennahm, saß vor ihr das Hollywood, das sie liebt: das Hollywood der Vielfalt, der Toleranz. Der Kanadier Ryan Gosling war da und auch der britisch-indische Schauspieler Dev Patel. In Hollywood, sagte Streep, wimmele es von Außenseitern und Ausländern. Wenn man sie alle hinauswürfe, gäbe es nichts mehr anzuschauen außer Football und Mixed Martial Arts. Ohne ihn namentlich zu nennen, griff Streep Donald Trump an. Sie sprach von seinem Instinkt, zu demütigen, von Respektlosigkeit. Und es wurde deutlich: Meryl Streeps Hollywood entfernt sich immer weiter von der Trump-Welt. Es entfernt sich von der Hälfte Amerikas, die Trump gewählt hat. Früher, da gab es nichts Amerikanischeres als Hollywood. Die Filmstadt verkörperte die Illusion, dass es jeder nach oben schaffen kann. Glanz, Macht, schöne Frauen. Die Menschen schufteten, dachten an ihre Stars, träumten vom Glück. Ihre Welt war simpel, aber sicher. Heute gibt es dieses Versprechen nicht mehr. Amerika funktioniert nach neuen, harten Regeln. Billiglöhne, Konkurrenzkampf, sozialer Abstieg – Hollywood kann der Angst nichts mehr entgegensetzen. Viele Amerikaner glauben der Traumfabrik mit ihren liberalen Werten nicht mehr, sie glauben jetzt Trump mit seinem fetten Trump-Tower und der schönen Melania. Sie interessieren sich nicht für Vielfalt und Toleranz. Sie wollen ihre Wut, ihren Hass rauslassen. Das macht Meryl Streep Angst. Sie sei eine der am meisten überbewerteten Schauspielerinnen Hollywoods, giftete Trump nach ihrer Rede zurück. Tausende gaben ihm auf Twitter recht.