Es geschah kurz nach Mitternacht. Nicole Jordan lag eigentlich schon im Bett, sie stand noch einmal auf und ging in die Küche, weil sie Durst hatte. Da hörte sie ein dumpfes Geräusch. Bomm, bomm, bomm. Sie schaute aus dem Fenster in die Dunkelheit und sah nichts, ihr Mann eilte nach unten in den Hof und kam gleich wieder zurück. "Ruf die Polizei", rief er.
Seit dieser Nacht zum 11. Dezember sieht das kleine Haus von Familie Jordan am Deich in Wilhelmsburg aus wie das moderne Kunstwerk eines nicht besonders talentierten Künstlers. Sieben Einschläge von Farbbomben hat Nicole Jordan an der Fassade gezählt, in drei verschiedenen Farben. Aus ihrem Küchenfenster schaut sie bis heute durch schwarze Spritzer. Sie hat die Farbe nicht entfernt. "Es hat keinen Sinn, das wegzumachen", sagt Jordan, "das kostet Zeit, Kraft und unnötig Geld – und wie lange hält das dann in der jetzigen politischen Situation, vielleicht vier Wochen?"