DIE ZEIT: Frau Koch, was hat sich für Sie zuletzt verändert?

Alexandra Koch: Wir haben eine Auszeichnung erhalten, die uns ziemlich stolz macht. Es ist so: Ich arbeite als Referentin im Landratsamt des Salzlandkreises, der liegt in der Mitte von Sachsen-Anhalt. Und wir haben vor einigen Wochen – als Außenseiter – den sogenannten Politik-Award gewonnen! Für uns ist das eine große Sache, etwas ganz Besonderes. Wir haben dafür sogar große Behörden wie das Bundesverteidigungsministerium ausgestochen, das sich ebenfalls beworben hatte.

ZEIT: Wie haben Sie das gemacht?

Koch: Der Preis zeichnet Institutionen aus, die den Bürgern Politik besonders gut erklären. Ich finde, das ist in unserer Zeit wahnsinnig wichtig. Auch Behörden sollen transparent sein. Wir müssen viel mehr erklären, was wir im Alltag machen, wie wir arbeiten. Und auch mal sagen, was gut läuft.

ZEIT: Was ist im Salzlandkreis so gut, dass es preiswürdig ist?

Koch: Wir sind der Meinung, dass wir einen ziemlich klugen Weg zur Aufnahme, Unterbringung und Betreuung von Flüchtlingen im ländlichen Raum gefunden haben.

ZEIT: Was haben Sie gemacht?

Koch: Wir haben den Ankommenden Ehrenamtliche an die Seite gestellt, sogenannte Soziallotsen, die den Flüchtlingen so viel wie möglich helfen, durch den Alltag zu kommen. Ich weiß schon, es gibt viele Initiativen für Geflüchtete, aber diese ist besonders.

ZEIT: Warum denn?

Koch: Erstens, weil wir viel früher als andere dran waren und deshalb Standards etablieren konnten. Wir haben das Kommunikationskonzept nämlich auf den Weg gebracht, als noch nicht von der "Flüchtlingskrise" die Rede war. Schon 2014 hat mein Chef, Landrat Markus Bauer, festgelegt, dass Flüchtlinge bei uns dezentral in den Dörfern untergebracht werden und dass es in jedem Ort Ansprechpartner für sie gibt.

ZEIT: Damals kamen wenige nach Deutschland.

Koch: Ja. Trotzdem haben wir alle Gemeinden unseres Landkreises gebeten, Leute vorzuschlagen, die sich ehrenamtlich engagieren würden. Es gibt überall gute Leute, man muss sie nur fragen.

ZEIT: Und was genau machen diese Lotsen?

Koch: Sie nehmen die Flüchtlinge vor Ort in Empfang, erklären ihnen, wo der Arzt, die Schule und beispielsweise der Sportverein im Ort sind – oder auch, wie wir hier Müll trennen.