Es ist höchste Zeit, es sich mit Donald Trump schwer zu machen. Und die schwerste Frage, die diese Präsidentschaft aufwirft, lautet: Was, wenn er Erfolg hat?

Trumps Gegner daheim und in der Welt fragen sich das nicht. Sie geben sich stattdessen wieder einer Hoffnung hin: Irgendein Skandal, eine weitere Enthüllung über finanzielle Verstrickungen, ein Tweet zu viel, der eine internationale Krise auslöst, und es folgt ein Impeachment-Verfahren. Und dann wacht die Welt schweißnass aus einem bösen Traum auf.

Diese Flucht- und Erlösungsfantasien sind Teil des Problems: Denn die Weigerung, die revolutionäre Kraft des Trump-Phänomens ernst zu nehmen, hat es immer nur noch stärker gemacht.

Die Experten hatten es ganz genau gewusst: Er werde niemals nominiert werden. Er könne ganz bestimmt die Wahl nicht gewinnen. Das Establishment der Republikanischen Partei werde ihm schon die Flausen austreiben. Gegen die Checks and Balances des amerikanischen Systems habe er mit seinen irrlichternden Einfällen keine Chance.

Nichts davon hat gestimmt. Das Expertenwissen hat sich als ein Haufen Bauernregeln erwiesen.

Nein, in Wahrheit ist eine unbekannte Lage entstanden, die der britische Journalist Martin Wolf lange vor der Wahl auf die krasse, aber zutreffende Formel gebracht hat: Trump bringe einen "Regimewechsel für die Welt". An diesem Dienstag ließ sich das auf dem Treffen der globalen Elite in Davos beobachten. Da hat der chinesische Oberkommunist Xi Jinping die Globalisierung, den Multilateralismus und den Freihandel verteidigt, während der künftige amerikanische Präsident in einem Interview mit der Bild- Zeitung den Zerfall der EU herbeiredet, die Nato für "obsolet" erklärt und deutschen Autofirmen mit Strafzöllen droht. Verkehrte Welt.

Wer auf den globalen Regimewechsel vorbereitet sein will, muss die Frage stellen: Und was, wenn Trump eben nicht scheitert, sondern alles wahr macht – jedenfalls nach seinen eigenen Maßstäben und denen seiner Anhänger?

Wenn er etwa Arbeitsplätze rettet, indem er die heimische Industrie von der Abwanderung abhält und ausländische Investoren anzieht?

Wenn die Mauer an der Grenze zu Mexiko tatsächlich gebaut wird und die Migration aus dem Süden zum Erliegen kommt? Wenn die Chinesen sich von seinen Drohungen mit Strafzöllen beeindrucken lassen und ihre Märkte öffnen? Wenn Wladimir Putin, der Schlaue, ihm ein paar politische Geschenke macht, sodass Trump sich als Entspannungspolitiker feiern lassen könnte?

All das hätte enorme Folgen für die europäische und die deutsche Politik. Wie also umgehen mit einem erfolgreichen Präsidenten Trump?

Die Frage wird sich vielen Akteuren aufdrängen, ob sie wollen oder nicht. Zum Beispiel den loyalen Beamten in den US-Institutionen, die Trump öffentlich verachtet. Sie stellt sich den kritischen Medien in den USA und in aller Welt, die nicht wissen, ob sie jetzt auf jeden scheinbar schrägen Tweet reagieren sollen – er könnte ja eine Weltkrise auslösen oder doch nur ein Symptom für den Trumpschen Narzissmus sein. Und nicht zuletzt stellt sie sich Regierungen wie der deutschen, die Amerika in der Wertegemeinschaft des Westens halten wollen und eben darum Trumps Erfolg fürchten.

Gehen wir drei Themen durch, die für diesen freien Westen zentral sind: das Verteidigungsbündnis der Nato, den Freihandel, die freie Presse. Für alle drei hat Trump einen Regimewechsel angekündigt – oder bereits begonnen.