Drei Frauen sitzen um einen Tisch: Sie wissen nichts voneinander, nur dass sie alle den gleichen Wunsch haben, einen Wunsch, der sehr intim ist. Vielleicht haben sie sich daher vor ein paar Minuten etwas verhalten begrüßt, aber sofort geduzt – sie wollen reden, bislang wussten sie aber nicht, mit wem. In der Redaktion der ZEIT stellen sie sich einander nun vor.

Die erste Frau, Julia, sagt: Hallo, ich bin 39, habe keinen Partner und möchte ein Kind. Ich suche einen Mann, der mir dabei hilft, sozusagen. Mein Wunsch ist: Es soll schnell gehen, vor meinem 40. Die letzten vier Jahre bin ich mit einem älteren Mann zusammen gewesen, der keine Kinder wollte. Vor einigen Monaten haben wir uns getrennt, der Druck in mir wurde dann extrem. Mir wurde bewusst: Während der Beziehung hatte ich den Kinderwunsch klein gehalten. Jetzt rennt die Zeit.

Die zweite Frau, Ich wollte immer ein Kind, schon mit 19, mein Freund hat gesagt: Wir sind doch noch so jung, jahrelang ist er dagegen gewesen, wir haben uns getrennt, ich wurde 30 und habe über mein Leben nachgedacht. Für das, was ich am liebsten will, fehlt mir der Mann. Ich habe mir vorgenommen, ihn zu suchen. Der Erste, den ich toll fand: verheiratet, mit Kindern, wollte nicht; der Zweite: wollte nur rumvögeln, der Dritte: geschieden, hatte schon Kinder, wollte nicht mehr. Ich bin jetzt 35, und manchmal denke ich: Warum war ich immer so ehrlich? Hätte ich mal die Pille weglassen sollen? Dann hätte ich nun ein Problem weniger, dann hätte ich schon ein Kind.

Die dritte Frau, Ja, wäre ich skrupelloser gewesen, hätte ich auch längst eins. War ich aber nicht und wollte ich auch nicht sein. Seitdem ich 25 bin, wünsche ich mir sehnlich ein Kind. Mit 30 habe ich noch gedacht: Komm, bleib mal lässig, damals bin ich mit einem Mann zusammen gewesen, der rigoros sagte, er will nicht. Mit 35 war mein Gefühl: Ich hab mir lange genug die Nächte mit Discobesuchen um die Ohren geschlagen, ich will mir die Nächte viel lieber mit einem Kind um die Ohren schlagen. Mit 40 habe ich einen Mann kennengelernt, der sagte: Kinder ja, aber die nächsten sechs Jahre nicht. In sechs Jahren? Da bin ich aus dem Rennen, habe ich gesagt. Die Beziehung ist daran zerbrochen. Nun bin ich 41 und frustriert, ich hab so viel gehofft und gehofft.

Warum war ich immer so ehrlich: Hätte ich die Pille mal weglassen sollen?

Hoppla, was für ein Einstieg, kein Smalltalk, es geht sofort zur Sache. Die Vorstellung ist wie das Thema selbst: dringlich. Es sind Frauen ohne Partner. Und ohne Kind – das wollen sie ändern. Sie wollen ein Kind, auch ohne Partner. Biologisch betrachtet, haben die Frauen, die hier sitzen, aber nicht mehr viel Zeit.

Da ist Gesine – wie bei den beiden anderen ist dies nicht ihr richtiger Vorname. Sie ist die Älteste in der Runde, Typ: sportlich, selbstbewusst, selbstreflektiert. Nach dem Studium war sie mal Köchin, gerade macht sie eine Umschulung.

Julia, die Zweitälteste, hat viel Zartes an sich, Auftreten, Stimme, und zugleich liegt darin etwas Bestimmtes. Sie arbeitet in einer Leitungsposition im öffentlichen Dienst.

Tina, die Jüngste, redet emotional und ohne Scheu von Intimitäten mit Männern. Für 3.000 Euro hat sie ihre Eizellen einfrieren lassen. Sie war längere Zeit in einem Hotel im Ausland beschäftigt, studierte dann, gerade ist sie auf Jobsuche.

DIE ZEIT: Woher kommt Ihre große Sehnsucht nach einem Kind?

Tina: Ich glaube, ich bin einfach eine Mama.

Julia: Mir gäbe ein Kind Sinn im Leben: Sinn, weil ich für jemanden sorgen kann, weil jemand nachkommt. Es klingt pathetisch, aber ich habe viel Liebe zu verschenken.

Gesine: Für mich ist es gar nicht so groß. Die Interaktion mit Kindern ist einfach total cool. So nervig, ätzend und anstrengend sie auch sein können. Diese Art der Nähe ist mit nichts vergleichbar. Immer wenn ich in den vergangenen Jahren von meinem Kinderwunsch geredet habe, haben mir Leute geraten: Engagier dich doch ehrenamtlich! So was reicht irgendwann aber nicht mehr. Ich hatte oft sechs Stunden lang die Kinder meiner Freunde, dann musste ich sie wieder abgeben und dackelte allein in meine Wohnung. Das tat so weh! Die Nähe, die ich mir wünsche, entsteht ja gerade dadurch, dass man sich jeden Tag sieht, sich zwischendurch zum Kotzen findet und dann wieder toll.

Die drei Frauen wissen, sie sind mit ihrer Sehnsucht nicht allein. Doch obwohl es viele von ihnen gibt – mehr als jeder dritte Single hätte gern ein Kind –, fühlen sie sich alleingelassen, ungesehen und unverstanden. Gewiss, die Moderne und die Medizin haben sich in letzter Zeit viel ausgedacht: Social Freezing, Leihmutterschaft, künstliche Befruchtung. Kinderkriegen hat sich verändert, es braucht keinen Sex mehr. Salopp gesagt, brauchte die deutsche Singlefrau nur einen Samen, doch Samenspenden an Singlefrauen sind in Deutschland eine Grauzone. Die meisten Ärzte weisen sie zurück. Denn ein Spender kann auf Unterhaltszahlung verklagt werden, und ist der Spender unbekannt, könnte auch der Arzt verklagt werden. Will die deutsche Singlefrau ein Kind ohne Mann bekommen, reist sie am besten ins Ausland, zum Beispiel in eine Kinderwunschklinik nach Dänemark. Die Gesetze dort sind liberaler: Spender haben keine Verpflichtungen gegenüber dem Kind.